Ein Demonstrant mit einer ukrainischen Flagge bei der Friedensdemo in Moskau ©Maxim Zmeyev/Reuters

Tausende Russen sind in Moskau gegen den Krieg in der Ukraine auf die Straße gegangen. Unter der Losung "Nein zum Krieg!" versammelten sich die Putin-Gegner zu einem Friedensmarsch. Es ist die erste große Protestaktion seit Ausbruch des blutigen Konflikts in der Ostukraine im April. 

Unter einem extremen Sicherheitsaufgebot der Polizei trugen die Demonstranten auch Schilder mit den Bildern und Namen von russischen Soldaten, die bei den Kämpfen in der Ostukraine getötet wurden. Viele Menschen trugen die blau-gelben ukrainischen Nationalflaggen, auf einigen davon war zu lesen: "Es tut uns leid."

Über die Zahl der Demonstranten gab es unterschiedliche Angaben. Zugelassen hatte die Stadt Moskau maximal 50.000 Teilnehmer; die Polizei sprach von rund 5.000 Demonstranten. Der Chef der liberalen Oppositionspartei Jabloko, Sergej Mitrochin, sagte dagegen, der Demonstrationszug mit Zehntausenden Menschen nähere sich der angekündigten Zahl. Die Polizei berichtete von zahlreichen Gegnern der Kundgebung, die abgedrängt werden mussten.

Die Kremlgegner sehen ungeachtet der Feuerpause weiter die Gefahr, dass Russlands Präsident Wladimir Putin jedes Mittel willkommen sein könnte, seine Machtinteressen in dem Nachbarland durchzusetzen.   

Die Organisatoren des Friedensmarsches verurteilen auf Schärfste, dass sich russische Söldner, aber auch reguläre Soldaten an den Kämpfen in der Ostukraine beteiligen. "Wofür sterben unsere Soldaten?", heißt es fragend und anklagend zugleich auf Plakaten. Die Menschen fordern die Behörden auf, die Einsätze und den Tod von russischen Soldaten in der Ostukraine aufzuklären. Die Verantwortlichen für diese "Kriegstreiberei" müssten bestraft werden.     

Demonstranten in Moskau protestieren gegen den Krieg in der Ukraine; auf dem Banner steht "Kein Krieg mit der Ukraine!" ©Maxim Zmeyev/Reuters

Frauen demonstrierten mit Fotos der gefallenen Soldaten. Russland bestreitet, dass diese auf Befehl der russischen Militärs in der Ostukraine kämpften. Die Familien der Gefallenen erhalten somit auch keinerlei Unterstützung.

Die Proteste in Moskau werden vom einst reichsten Mann des Landes, Michail Chodorkowski, unterstützt. "Es ist eine brüchige Waffenruhe, aber das Problem bleibt. Unser Land nimmt direkt oder mittelbar an dem Konflikt teil", heißt es auf der Seite khodorkovsky.ru des Putin-Kritikers. Mit seiner am Wochenende gegründeten Initiative Offenes Russland will er auch die Zivilgesellschaft im Land wieder auf die Beine bringen.

Teilnehmer der Demonstration in Moskau © Sergei Karpukhin/Reuters

Die Demonstranten fordern nicht nur mit Nachdruck den sofortigen Abzug von russischen Soldaten aus der Ostukraine. Aufhören müsse auch die propagandistische und materielle Hilfe für die prorussischen Separatisten, heißt es in einer "Anti-Kriegs-Resolution" des Friedensmarsches. Die Unterzeichner sind unter anderem die Menschenrechtlerin Ljudmila Alexejewa, der Oppositionspolitiker Boris Nemzow, der Publizist Viktor Schenderowitsch sowie Wissenschaftler und Kulturschaffende.

Sie sehen die Gefahr, dass sich in Russland ein "faschistisches Regime" entwickeln könne. Die "verbrecherische Aggression" in der Ostukraine sei nur möglich geworden, weil sich Putin und seine Umgebung ein dichtes Machtgeflecht mit totaler Kontrolle über Parlament und Gerichte geschaffen hätten. Es ist die Position einer Minderheit. Die große Mehrheit der Russen steht weiter hinter der Politik von Putin.