Bisher gab es in Russlands Staatsmedien immer nur Dementis. Jetzt wurde zum ersten Mal über russische Soldaten berichtet, die in der Ukraine aufseiten der Separatisten gegen die ukrainische Armee kämpfen. Fast zeitgleich strahlten mehrere Fernsehkanäle Sendungen über Männer aus, die als "Freiwillige" in das Kampfgebiet gegangen seien. Dort wären sie als "Helden" gestorben.

Der Propagandasender Erster Kanal berichtete über einen 28-jährigen Fallschirmjäger, der nach seiner Hochzeit Urlaub genommen habe und in die Ukraine gefahren sei, um dem "Ruf des Herzens zu folgen". Nachdem der eine Familie in Luhansk gerettet habe, sei er im Kampf gefallen. Der Staatssender Ren TV porträtierte einen Soldaten, der bei der Verteidigung des Flughafens von Donezk getötet worden sei. "Er hat getan, was ein echter Mann tun sollte. Ich bin stolz", sagte seine Witwe in dem Programm.

Die Ukraine und der Westen werfen Russland seit Langem vor, Truppen in die Ukraine entsendet zu haben. Nach Angaben der ukrainischen Armee sind dort bisher 2.000 russische Soldaten in den Kämpfen gestorben, wie ein Militärsprecher mit Verweis auf Geheimdienstinformationen sagte.

Russlands Regierung hatte stets abgestritten, dass ihre Soldaten in der Ukraine kämpfen. Es seien lediglich Streitkräfte zu Routineübungen in die Grenzregion entsandt worden. Der Grenzübertritt mehrerer Fallschirmjäger, die in der Ukraine festgenommen worden waren, wurde von Moskau als Versehen dargestellt. Der Separatistenführer Alexander Sachartschenko hatte hingegen gesagt, 4.000 russische Kämpfer seien in der Ukraine im Einsatz.

Die jetzt in Russland gezeigten Berichte gelten als Reaktion darauf, dass das Thema auch in der russischen Öffentlichkeit immer öfter debattiert wird. Regierungskritische Medien berichten seit Wochen über geheime Beerdigungen russischer Soldaten. Nach Angaben der Organisation russischer Soldaten-Mütter wurden Tausende, möglicherweise sogar bis zu 15.000 Russen in die Ostukraine geschickt.

Beobachter gehen nicht davon aus, dass ein offizieller Kampfauftrag für russische Soldaten in der Ukraine vorliegt. "Dann wären nicht 4.000, sondern 20.000 Russen dort", sagte der Moskauer Militärexperte Pawel Felgenhauer.