In Schweden gibt es einen Regierungswechsel: Die von den Sozialdemokraten angeführte Linkskoalition hat Hochrechnungen zufolge die Parlamentswahl gewonnen. Das Bündnis wird nach acht Jahren die konservative Regierung ablösen. Das Bündnis aus Sozialdemokraten, Grünen und Linken kam auf 43,7 Prozent der Stimmen, das bürgerliche Bündnis von Ministerpräsident Fredrik Reinfeldt auf 39,1 Prozent.

Reinfeldt gestand seine Niederlage ein und kündigte seinen Rücktritt als Parteichef der Konservativen an. "Morgen reiche ich mein Rücktrittsgesuch ein", sagte er. "Natürlich ist es eine Enttäuschung. Wir hatten auf ein besseres Ergebnis gehofft", sagte sein Parteisekretär Kent Persson.

Reinfeldts achtjährige Amtszeit war die bisher längste eines konservativen Regierungschefs in Schweden. Er war international dafür gelobt worden, dass er die schwedische Wirtschaft während der Finanzkrise stabil hielt. Viele Schweden fürchteten jedoch, dass er mit seiner marktorientierten Politik das Sozialsystem des Landes untergraben könne.

Die Sozialdemokraten von Stefan Löfven wurden zwar wie erwartet stärkste Kraft im Parlament, fuhren aber dennoch eines der schlechtesten Ergebnisse ihrer Geschichte ein. Die rechtspopulistischen Schwedendemokraten kamen auf 13,0 Prozent, die übrigen Parteien haben aber eine Zusammenarbeit mit den Einwanderungskritikern ausgeschlossen.

Die feministische Partei, die in den ersten Prognosen noch bei den benötigten vier Prozent gelegen hatte, schaffte es nicht ins Parlament. Deshalb verfügt das Mitte-Links-Bündnis über keine Mehrheit, die Regierungsbildung dürfte daher schwierig und langwierig werden.

Rekordwahlbeteiligung in Schweden

Die Sozialdemokraten wollen mehr für den Kampf gegen die Arbeitslosigkeit sowie Schulen und Krankenhäuser ausgeben, nachdem die konservative Regierung acht Jahre lang vor allem Steuersenkungen durchsetzte. 

Seit Reinfeldt 2006 die Führung übernahm, hat sein bürgerliches Bündnis Einkommens- und Unternehmenssteuern gesenkt, soziale Leistungen gekürzt, arbeitsrechtliche Gesetze gelockert und staatseigene Unternehmen privatisiert. Zudem hat sich in Schweden die Kluft zwischen Arm und Reich schneller vertieft als in den meisten anderen entwickelten Ländern.

Mehr als sieben Millionen Schweden waren aufgerufen, darüber abzustimmen, wie die 349 Sitze im schwedischen Reichstag verteilt werden. Über 2,4 Millionen Schweden wählten – ein Rekord.