Mit wachsender Sorge sieht die Regierung in Ankara, wie die Kämpfer der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) näher an die kurdische Grenzstadt Kobani heranrücken. Seit Tagen greifen die Islamisten die Stadt in Nordsyrien mit schwerer Artillerie an, dabei schlagen auch immer wieder Mörsergranaten auf türkischem Gebiet ein. Gleichzeitig suchen immer mehr Menschen Schutz in der Türkei. Vor allem aus Kobani sind in den vergangenen Tagen rund 80 Prozent der 50.000 Einwohner geflohen.

Nun reagiert die Regierung: Hatte es die Türkei bislang abgelehnt, sich an dem von den USA geführten internationalen Bündnis gegen den IS zu beteiligen, so verlegte das Militär am Nachmittag nun Panzer und gepanzerte Fahrzeuge in die türkische Grenzstadt Mürşitpınar. Gleichzeitig kündigte die türkische Regierung an, sie wolle das Parlament noch in dieser Woche bitten, einer Beteiligung an den Kämpfen gegen den IS zuzustimmen.

Weil der IS türkische Staatsbürger in seiner Gewalt hielt, hatte sich die türkische Regierung bislang verweigert und den USA darüber hinaus untersagt, türkische Luftwaffenstützpunkte für ihre Angriffe auf IS-Stellungen zu nutzen. Nach der Freilassung der türkischen Geiseln vor zwei Wochen hatte Präsident Recep Tayyip Erdoğan erstmals einen Kurswechsel angekündigt: "Wir können uns nicht raushalten und werden dort sein, wo wir gebraucht werden", sagte er.

Entscheidung noch in dieser Woche

Eine Entscheidung soll nun schnell fallen: Ein Antrag auf Zustimmung wird ab Dienstag im Parlament erwartet, für Donnerstag ist eine Debatte vorgesehen. Die Regierung hofft, dass die Zustimmung noch vor den muslimischen Eid-Feiertagen erfolgt, die am Samstag beginnen.    

Erdoğan, dem zunächst eine Tolerierung der sunnitischen Islamisten unterstellt worden war, warf dem IS nun "Wildheit und Gewalt" vor. Wer sich bei Terrorakten auf den Islam berufe, "verdreht die Wahrheit", sagte er in einer Rede in Istanbul. Der Islam sei "eine Religion des Friedens".

Aufgrund der sich ständig ändernden Lage ist eine exakte Aufzeichnung der verschiedenen Positionen nicht möglich. © ZEIT ONLINE