Zivilisten in der türkisch-syrischen Grenzregion © Stringer/GettyImages

Kämpfer der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) haben ein von türkischen Soldaten bewachtes Mausoleum in Syrien umstellt. Das berichtet die türkische Zeitung Yeni Şafak unter Berufung auf arabische Stammesführer. Demnach stehen rund 1.100 IS-Kämpfern 36 türkischen Soldaten gegenüber. Die Terrormiliz kontrolliere außerdem den wichtigsten Zugangsweg zum Grab, das rund 30 Kilometer südlich der umkämpften syrischen Stadt Kobani (arabisch: Ain al-Arab) liegt. 

Bei dem Mausoleum handelt es sich um die Grabstätte von Suleiman Shah, dem Großvater des ersten osmanischen Sultans. Der IS hatte bereits im März gefordert, dass die Türkei ihre Soldaten aus der Exklave abzieht. Die türkische Regierung lehnte ab und warnte, ein Angriff auf das Mausoleum würde als Angriff auf die Türkei gewertet werden. 

Angesichts des Vormarsches der IS-Miliz hat das türkische Militär damit begonnen, Truppen an der Grenze zusammenzuziehen. Panzer und gepanzerte Fahrzeuge wurden in die Grenzstadt Mürşitpınar verlegt. Der Zeitung Sabah zufolge wurden zudem rund 10.000 Soldaten sowie 5.000 Reservisten in Alarmbereitschaft versetzt.  

Die der syrischen Opposition nahestehende Beobachtungsstelle für Menschenrechte teilte mit, die Kämpfer des IS seien nur noch etwa zwei Kilometer von Kobani entfernt. Zwischen den Stellungen der beiden Seiten liege nur noch ein freies Feld. "Die Kämpfer können sich sehen", sagte der Leiter der Menschenrechtsbeobachter, Rami Abdel Rahman. Die IS-Extremisten versuchen seit Tagen, Kobani einzunehmen. Sie kontrollieren bereits zahlreiche Dörfer im Umland der Stadt. Die Orte liegen an der türkischen Grenze und wurden bislang von kurdischen Volksschutzeinheiten kontrolliert.

Parlament stimmt am Donnerstag über Kampfeinsatz ab

Das türkische Parlament will am Donnerstag über Resolutionen entscheiden, mit denen die Regierung ermächtigt wird, militärisch gegen Terroristen in Syrien und im Irak vorzugehen. Sobald die Abgeordneten ihre Zustimmung erteilt haben, sollen die Soldaten eine 20 bis 30 Kilometer tiefe Pufferzone für Zivilisten auf der syrischen Seite der Grenze sichern. Zur Unterstützung stünden Hubschrauber und Kampfjets für Aufklärungsflüge bereit, berichtet Sabah.

Aufgrund der sich ständig ändernden Lage ist eine exakte Aufzeichnung der verschiedenen Positionen nicht möglich. © ZEIT ONLINE

Die Türkei hatte lange abgelehnt, sich an dem von den USA geführten internationalen Bündnis gegen den IS zu beteiligen. Die Haltung der Regierung hat sich geändert, seitdem der IS 46 türkische Geiseln wieder freigelassen hat. Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan forderte am Sonntag, sein Land müsse Solidarität zeigen und sich an der Bekämpfung des IS beteiligen.