Prorussische Separatisten an einer Straßensperre 30 Kilometer südlich von Donezk © Philippe Desmazes/AFP/Getty Images

Die ukrainische Regierung hat den Rebellen vorgeworfen, mit ihren neuen Angriffen den Friedensprozess zu gefährden. Ein Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates sagte, die ukrainischen Truppen hätten während der Nacht einen Angriff von etwa 200 Kämpfern abgewehrt. Es habe keine Verluste gegeben. Der Sprecher beschuldigte die prorussischen Separatisten, die Waffenruhe im Osten des Landes zu missachten: "Die terroristischen Angriffe bedrohen die Umsetzung des Friedensplans des ukrainischen Präsidenten."

Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichteten von Kämpfen mit Artilleriefeuer um den Flughafen von Donezk. In der ostukrainischen Stadt schlugen mehrere Granaten ein. Der Stadtrat teilte mit, zwei Viertel seien immer wieder beschossen worden. Auch in umliegenden Ortschaften wurde die Waffenruhe durch neue Gefechte gestört. Donezk wird von prorussischen Aufständischen kontrolliert, der Flughafen ist umkämpft. In der Ukraine gilt seit neun Tagen ein Waffenstillstand, der aber bereits mehrfach gebrochen wurde.

Ein Rebellenvertreter ließ Zweifel an der Verbindlichkeit der zwischen den Konfliktparteien unterzeichneten Vereinbarung aufkommen. Der Parlamentssprecher der sogenannten Volksrepublik Donezk, Boris Litwinow, sagte der Nachrichtenagentur Interfax, die selbst ernannten Regierungschefs der Volksrepubliken Donezk und Luhansk, Alexander Sachartschenko und Igor Plotniskij, hätten nur als Beobachter an dem Treffen teilgenommen. Durch ihre Unterschrift hätten sie lediglich dokumentiert, die Vereinbarung zur Kenntnis genommen zu haben.

Waffen für die ukrainische Armee

Mehrere Nato-Staaten haben unterdessen mit Waffenlieferungen an die Regierungstruppen begonnen. "Der Prozess der Übergabe läuft", sagte der ukrainische Verteidigungsminister Waleri Geletej dem Fernsehsender 5. Kanal, der dem ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko gehört. Zur Art der Waffen und zu den Herkunftsländern machte Geletej keine Angaben.

Der ukrainische Außenminister Pawlo Klimkin sagte, "dass es um mehr als fünf Länder geht. Es handelt sich um viele. Einige Länder geben das eine, einige wiederum das andere. Es ist eine ganze Palette". Staatschef Poroschenko hatte nach seinem Besuch des Nato-Gipfels in Wales von geplanten Waffenlieferungen berichtet. Der Präsidentenberater Juri Luzenko nannte Polen, Frankreich, Norwegen, Italien und die USA als Lieferanten.

Die USA und weitere Nato-Staaten beginnen am Montag ein Manöver mit 1.300 Soldaten aus der Ukraine. Der Ort des Manövers im Westen des Landes ist 1.200 Kilometer vom Konfliktgebiet Donbass entfernt. Auch die Bundeswehr beteiligt sich mit einigen Soldaten. Russland sieht in der Präsenz von Soldaten aus Nato-Staaten eine schwere Provokation und eine Gefahr für die Waffenruhe.