Ukrainische Soldaten in der Ostukraine © Gleb Garanich/Reuters

Die Feuerpause zwischen den Regierungstruppen und den prorussischen Aufständischen, die seit dem 5. September gilt, ist offenbar erneut gebrochen worden. In der Nähe des Flughafens von Donezk war am Samstag heftiges Artilleriefeuer zu hören, schwarzer Rauch stieg auf, berichtet Reuters. Das ukrainische Militär hat den Flughafen von Donezk unter Kontrolle, die Stadt ist aber in der Hand prorussischer Separatisten.

Am Donezker Flughafen war die ukrainische Armee schon in der Nacht auf Samstag nach eigenen Angaben unter Beschuss von Separatisten geraten. Auch der Stadtrat von Donezk teilte mit, die ganze Nacht hindurch habe es Kämpfe in der Nähe des Flughafens gegeben. Zwei Granaten hätten Wohngebäude in der Gegend getroffen. Berichte über Tote gab es zunächst nicht. 

Trotz der vereinbarten Feuerpause sei die Ukraine im Krieg mit Russland, sagte Ministerpräsident Arseni Jazenjuk während einer Konferenz mit Politikern und führenden Unternehmensvertretern in Kiew. Janzenjuk nannte Russland eine "Bedrohung für die globale Ordnung und die Sicherheit von ganz Europa". Der russische Präsident Wladimir Putin wolle "nicht die Gebiete Donezk und Luhansk, sondern die ganze Ukraine". Putin könne die Vorstellung nicht verkraften, dass die Ukraine Teil einer großen EU-Familie werden könnte, sagte Jazenjuk. "Er will die Sowjetunion wiederherstellen." Janzenjuk forderte eine Beteiligung der EU und der USA an Gesprächen mit Russland über die Beilegung der Krise, da Kiew Moskau in den Verhandlungen unterlegen sei.

Russland schickte derweil einen zweiten Konvoi mit rund 2.000 Tonnen Hilfsgütern in das ukrainische Gebiet Donbass. Wenige Stunden später erreichte die Kolonne mit Medikamenten, Lebensmitteln und Stromgeneratoren Luhansk, wie russische Medien berichteten. Nach Angaben der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) hat die Kolonne die Grenze zur Ukraine praktisch unkontrolliert passiert. Nur die ersten 40 der insgesamt 220 Lastwagen seien in der Nacht zum Samstag von russischer Seite oberflächlich überprüft worden. Eine Kontrolle durch ukrainische Grenzer oder das Internationale Rote Kreuz (IKRK) habe es gar nicht gegeben, teilte die OSZE mit.   

Einen ersten russischen Hilfskonvoi, den Russland im August in die Ostukraine sandte, hatten die ukrainischen Behörden als Invasion gewertet. Russland hatte die Lastwagen ohne Überwachung durch das Rote Kreuz in von Rebellen gehaltenes Gebiet fahren lassen. Die Ukraine und der Westen werfen der Moskauer Regierung vor, die Rebellen mit Soldaten, Waffen und Panzern zu unterstützen. Russland weist dies zurück. 

Im Streit über die Rolle der russischen Regierung hatten die EU und die USA am Freitag neue Sanktionen vor allem gegen den russischen Energie-, Rüstungs- und Finanzsektor in Kraft gesetzt. Am Samstag kündigte Russland deswegen Hilfen für den von Sanktionen betroffenen staatlichen Ölkonzern Rosneft und den unabhängigen Gasproduzenten Novatek an.