Ukrainischer Panzer nahe der Stadt Debalzewe in der Region Donezk © Anatolii Stepanov/AFP/GettyImages

Die ukrainischen Regierungstruppen haben im Verlauf ihrer Einsätze gegen die Separatisten im Osten des Landes schweren Verlust an Material erlitten. "Es wurden zwischen 60 und 65 Prozent der Militärtechnik zerstört", beschrieb Präsident Petro Poroschenko im ukrainischen Fernsehen die Situation. Er betonte, sein Land brauche Frieden. Er selbst wolle alles unternehmen, "um den Friedensplan umzusetzen". Aber: Das Land müsse "bereit sein, sich zu verteidigen, wenn der Friedensplan nicht funktioniert", forderte der 48-Jährige.

Die Armee müsse gestärkt werden, sagte Poroschenko weiter. Er verwies auf die bei seinen Besuchen in den USA und Kanada erhaltenen Zusagen über die Lieferung von militärischer Ausrüstung. Der ukrainische Präsident sagte zugleich, dass der Konflikt mit den prorussischen Rebellen im Osten des Landes nicht militärisch gelöst werden könne. Je mehr ukrainische Streitkräfte dort stationiert würden, "desto mehr russische Truppen wird es dort geben", sagte er.

Mit dem vereinbarten partiellen Rückzug der Kampftruppen beider Konfliktparteien und der Bildung von Pufferzonen habe die Ukraine nunmehr die Gelegenheit, die Einheiten aufzufrischen, die lange Zeit im Kampf gestanden hatten. "In einer dieser Einheiten hat mein Sohn gekämpft", zitierte die russische Agentur Ria Nowosti den ukrainischen Staatschef.

Die Regierungstruppen zogen nach der Einigung auf eine demilitarisierte Zone dort erste Einheiten aus dem Gebiet Donezk ab. Die Truppen hätten einige Ortschaften verlassen, um die Lage von neuen Stellungen aus besser kontrollieren zu können, teilte Andrej Lyssenko vom nationalen Sicherheitsrat am Sonntag in Kiew mit. Zuvor hatten prorussische Separatisten von einem teilweisen Rückzug ukrainischer Regierungstruppen berichtet.

Immer wieder Zwischenfälle

Die Konfliktparteien hatten unter Vermittlung der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) in der Nacht zum Samstag eine Pufferzone von 30 Kilometern vereinbart. In der Zone sind keine Waffen oder Kampfverbände erlaubt. Von einer konkreten Umsetzung der Vereinbarung war am Sonntag allerdings noch keine Rede.

Die Sicherheitszone könne nur im Fall einer kompletten Waffenruhe und bei einem synchronen Rückzug der Kampfverbände auf beiden Seiten umgesetzt werden, sagte Lyssenko. Die Regierungstruppen hielten sich an die Feuerpause, wehrten sich aber weiter auch mit Waffen gegen Angriffe, sagte er. Mehrere Stellungen der "Anti-Terror-Operation" seien auch am Wochenende beschossen worden. Lyssenko sprach von zwei getöteten Soldaten. Den Teilrückzug von Einheiten begründete er mit der Gefahr für Truppen, von den Kampfverbänden der Separatisten eingekesselt zu werden.

Die seit zwei Wochen offiziell geltende Waffenruhe in den nicht anerkannten Volksrepubliken Donezk und Luhansk hält im Großen und Ganzen, wie Medien berichten. Allerdings gibt es immer wieder Zwischenfälle, für die sich die Konfliktseiten gegenseitig die Schuld geben.