Der scheidende EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso teilt zum Ende seiner Amtszeit noch einmal heftig gegen Großbritannien aus. David Cameron mache mit seiner defensiven Haltung zur EU einen "historischen Fehler". So zitiert der Guardian vorab aus der Abschiedsrede Barrosos, der am Vormittag vor dem Thinktank Chatham unter dem Titel Ten Years at the Helm of the European Commission: Some Reflections on Europe eine Bilanz seiner Amtszeit ziehen wird.

Barroso macht demnach dem Frust in Brüssel über das Vorgehen der konservativen Partei in Großbritannien Luft. Der britische Premier riskiere mit seinem Weg den Austritt seines Landes aus der Euro-Zone. Deutliche Worte fand Barroso vor allem für den Plan Camerons zur Begrenzung der Einwanderung. Das Vorhaben sei mit EU-Recht nicht vereinbar, das Reisefreiheit für Bürger aller Mitgliedstaaten garantiere. Damit stoße Großbritannien seine Verbündeten vor den Kopf. "Mein deutlicher Ratschlag an Cameron ist dieser: Stellen Sie dieses Prinzip nicht infrage", sagte Barroso bereits am Wochenende in der BBC.    

Nach einem Bericht der Sunday Times will Cameron in dieser Woche Regierungsvorschläge zur Begrenzung der Einwanderung erläutern. Im Mittelpunkt stehe der Plan, eine jährliche Obergrenze für die Ausgabe von Sozialversicherungsnummern festzulegen, die den Bezug staatlicher Unterstützung erlauben. Die Beschränkungen sollen für schlecht ausgebildete Migranten gelten. Das würde vor allem die elf östlichen EU-Staaten treffen, die seit 2004 Mitglied der Union sind.

Mit der Kritik an David Cameron und seiner Politik mischt sich Barroso ungewöhnlich deutlich in die inneren Angelegenheiten Großbritanniens ein. "Es ist eine Illusion, zu glauben, dass es Raum für Dialog gibt, wenn Ihr Ton und der Inhalt Ihrer Argumente die grundsätzlichen Prinzipien der EU infrage stellen und andere Mitgliedstaaten verletzen", sagte der scheidende Kommissionspräsident demnach an Cameron gerichtet.