Dies ist keine normale Nachricht: Wir haben uns zu einem Bericht in eigener Sache entschlossen. Denn vergangene Woche wurde in China die Mitarbeiterin der ZEIT-Korrespondentin Angela Köckritz festgenommen. Im Folgenden die Schilderung der Ereignisse durch die ZEIT-Korrespondentin.

Am 2. Oktober wurde die chinesische ZEIT-Mitarbeiterin Zhang Miao festgenommen. Der Vorwurf gegen die 40-Jährige: Erregung öffentlichen Ärgernisses. Tatsächlich dürfte der Grund ein ganz anderer, nämlich sehr politischer sein.

Am 24. September flog ich gemeinsam mit Zhang Miao nach Hongkong. Wir wollten über die anstehenden Demonstrationen berichten. Schnell wurde klar, dass die chinesische Regierung die Proteste als politisch äußerst sensibel einstuft, sie fürchtet ein Übergreifen auf das Festland. Festlandschinesen, die Fotos von den Demonstrationen auf sozialen Netzwerken weiterleiteten, wurden festgenommen und vernommen.

Zhang Miao musste am 1. Oktober zurück nach Peking, ihr Visum war abgelaufen. Ich bat sie, die Lage weiterhin von Peking aus zu verfolgen. Zeitungskommentare sichten, sehen, wie die normalen Menschen darüber denken. Ich drängte sie, sehr auf ihre Sicherheit zu achten.

Angeblich in eine Dorfstreiterei verwickelt

Am frühen Nachmittag des 2. Oktober ereilte mich die Nachricht, dass Zhang Miao in Songzhuang, einem Künstlerdorf in der Nähe Pekings, festgenommen wurde. Sie lebt dort. Ein Mitarbeiter des Sicherheitsbüros, der für uns ausländische Journalisten zuständig ist, informierte mich am Telefon darüber, dass Zhang Miao in eine Dorfstreiterei verwickelt worden sei, sie habe dabei die Polizei beschimpft. Ich bat um nähere Informationen. Er sagte mir, er sei mit den Details nicht vertraut und könnte nicht mehr sagen.

Am Abend des 3. Oktober flog ich zurück nach Peking. Für den nächsten Tag hatte mich die Sicherheit einbestellt, das erste Verhör dauerte zwei Stunden. Weitere Verhöre folgten. Man wirft mir vor, Zhang Miao nicht ordnungsgemäß angemeldet zu haben. Ich sagte, dafür werde ich die volle Verantwortung übernehmen und bat darum, mehr von ihr zu erfahren. Laut chinesischer Strafvollzugsprozessordnung sollen Anwalt und Familienangehörige 48 Stunden nach Festnahme über den Verbleib eines Verdächtigen informiert werden. Dies ist nicht geschehen. Die Sicherheitsbehörden sagten, sie könnten mir keine weiteren Informationen geben.

Miaos Bruder hat mittlerweile erfahren, dass sich Zhang Miao im ersten Untersuchungsgefängnis von Peking befindet. Als wir am Sonntagmittag dorthin fuhren, wimmelte man uns ab. Hinweise auf die Strafvollzugsprozessordnung wurden achselzuckend abgewehrt.

Anwalt hat keinen Zugang

Am Abend trafen Miaos Bruder und ich den Anwalt sowie einige Künstlerfreunde von ihr, darunter ein Zeuge, der die Festnahme beobachtet hatte. Demnach hatte sich Zhang Miao am 2. Oktober auf den Weg zu einer Dichterlesung zur Unterstützung der Proteste gemacht. Sie wurde bereits auf dem Weg von der Polizei abgefangen. In einem hektischen Anruf berichtete sie einem Freund, von der Polizei geschlagen worden zu sein. Die Dorfstreiterei hat offensichtlich nie stattgefunden.

In den nächsten Tagen ereilt mich die Nachricht, dass in Songzhuang insgesamt zehn Menschen festgenommen wurden, alle offenbar, weil sie verdächtigt werden, die Proteste in Hongkong zu unterstützen oder Informationen von dort weitergeleitet zu haben. Wie viele Menschen in China insgesamt festgenommen wurden, ist noch unklar.

Am Dienstag erhielt die Familie von Zhang Miao endlich offizielle Benachrichtigung. Demnach befindet sie sich im ersten Untersuchungsgefängnis Peking, der Vorwurf lautet: Verdacht auf Erregung öffentlichen Ärgernisses.

Bis jetzt durfte Milos Anwalt und ihre Familie sie noch nicht besuchen.