Freitagsgebet vor Trümmern: Palästinenser am Rande einer von israelischen Luftangriffen zerstörten Moschee in Gaza © Ibraheem Abu Mustafa/Reuters

Die USA und die Europäer haben bei einer Geberkonferenz in Kairo dreistellige Millionenbeträge für den Wiederaufbau des Gazastreifens zugesagt. 450 Millionen Euro werde die Europäische Union bereitstellen, kündigte die scheidende EU-Außenbeauftrage Catherine Ashton an. Die Vereinigten Staaten haben 170 Millionen Euro in Aussicht gestellt, Deutschland steuert weitere 50 Millionen Euro an speziellen Hilfen bei. Das Emirat Katar will den Wiederaufbau im Gazastreifen mit einer Milliarde Dollar unterstützen, sagte Außenminister Chalid bin Mohammed al-Attijah.

Damit blieben die auf der eintägigen Hilfskonferenz von 50 Regierungen und 20 internationalen Organisationen bereitgestellten Summen zunächst deutlich unter der Zielmarke von 3,2 Milliarden Euro. Auf diese Summe hatte die palästinensische Seite die Schäden an Wohngebäuden, Infrastruktur und Energieversorgung durch den 50-Tage-Krieg mit Israel beziffert. Zusätzlich hatte das Flüchtlingshilfswerk UNHCR weitere 1,3 Milliarden Euro angemeldet – die größte Hilfsforderung in der 64-jährigen Geschichte der Organisation.

Die beiden Konfliktparteien, die Hamas und Israel, waren bei der Konferenz am Nil nicht vertreten. Lediglich Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas, dessen Fatah im Westjordanland herrscht, war anwesend.

UN-Generalsekretär fordert Resultate

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sagte, Gaza bleibe "ein Pulverfass". Die Menschen brauchten dringend "Resultate, die ihr Leben verbessern". US-Außenminister John Kerry sagte, ohne eine umfassende Friedenseinigung lasse sich der Kreislauf der Gewalt nicht durchbrechen. "Waffenstillstand ist kein Frieden. Wir müssen zurück an den Verhandlungstisch und den Verantwortlichen helfen, harte Entscheidungen zu fällen – Entscheidungen, die mehr sind als nur ein Waffenstillstand", sagte Kerry.   

Im April war Kerrys erster Verhandlungsmarathon gescheitert. Gründe waren vor allem die ständige israelische Siedlungsexpansion und die Weigerung Tel Avivs, die zuvor vereinbarte Freilassung von palästinensischen Gefangenen tatsächlich umzusetzen.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier sagte: "Ein Zurück zum Status quo darf es nicht geben. Niemand will Infrastruktur aufbauen, nur damit sie kurz darauf wieder zerstört wird." Deshalb müsse ein nachhaltiger Waffenstillstand zweierlei sicherstellen: Gaza dürfe nicht mehr von der Hamas und anderen Extremisten als Waffenlager missbraucht werden. Und die Menschen in Gaza müssten wirtschaftliche Perspektiven und Bewegungsfreiheit erhalten. "Nur dann kann auch die internationale Gemeinschaft in dem Maße in den Wiederaufbau investieren, wie wir es uns wünschen."

Drei Auseinandersetzungen in sechs Jahren

Zwischen Israel und der Hamas im Gazastreifen gab es in den letzten sechs Jahren bereits drei kriegerische Auseinandersetzungen, von denen die letzte im Juli und August die größten Schäden anrichtete. Über 2.200 Palästinenser starben durch israelische Bomben, 11.000 wurden verletzt, 120.000 obdachlos. Auf israelischer Seite wurden 73 Menschen getötet, die meisten davon waren Soldaten.

Seit Ende August gilt ein von Ägypten vermittelter Waffenstillstand, dessen Einzelheiten jedoch nach wie vor nicht ausgehandelt sind. So fordert die palästinensische Seite vor allem ein Ende der Wirtschafts- und Reiseblockade, die seit 2006 existiert. Die israelische Seite verlangt Sicherheitsgarantien und eine Entwaffnung der Hamas-Brigaden.