Die Demonstranten in Hongkong geben den Forderungen der Regierung teilweise nach. Die Blockade der Verwaltungsgebäude sei aufgehoben, teilten sie mit. Es gebe jetzt einen Durchgang, auf dem zivile Mitarbeiter des Verwaltungsapparats am Montag zur Arbeit gelangen könnten, zitierte die Bewegung Occupy Central ihren Wortführer Alex Chow. Damit reagierten sie auf die Warnung des Hongkonger Verwaltungschefs Leung Chun-Ying, die öffentliche Ordnung mit entschiedenen Maßnahmen wiederherzustellen, sollte die Lage weiter außer Kontrolle geraten.

Leung hatte gefordert, dass die Demonstranten den Zugang zu den Regierungsgebäuden wieder freimachten, damit die rund 3.000 Verwaltungsmitarbeiter ihre Arbeit verrichten könnten. Die Proteste richteten sich gegen Leung, sagte ein Anführer der Demonstranten, Benny Tai. Wenn dessen Forderung einer Beendigung der Blockade erfüllt werde, habe der Verwaltungschef keine Argumentationsgrundlage mehr, die Proteste gewaltsam zu beenden, sagte Tai auf einer Massenkundgebung am Samstagabend.

Am Sonntag beschlossen die Occupy-Aktivisten, sich aus verschiedenen Bezirken zurückzuziehen, unter anderem aus dem Geschäftsviertel Mong Kok, ihre Blockaden zu räumen und sich der Besetzung des Ortsteils Admirality anzuschließen. Das vollkommene Ende der Proteste liege weiterhin in der Verantwortung der Regierung, hieß es von den Demonstranten.

165 Verletzte bei Ausschreitungen

Am Wochenende war es zu Auseinandersetzungen zwischen Anhängern und Gegnern der Demokratie-Bewegung sowie Sicherheitskräften gekommen. Nach Angaben der Krankenhausverwaltung wurden dabei 165 Menschen verletzt. Auch in der Nacht zum Sonntag kam es zu vereinzelten Auseinandersetzungen. "Wir müssen in den kommenden Tagen vorsichtig sein", sagte Chow vor Demonstranten. "Angesichts der drohenden Gewalt müssen wir standhaft und tapfer bleiben. Dies ist nur die Ruhe vor dem Sturm."

Bundeskanzlerin Angela Merkel rief die chinesischen Sicherheitskräfte zur Zurückhaltung auf. "Ich bin sehr froh, dass die Proteste bis jetzt friedlich waren und hoffe auf eine besonnene Reaktion auch der Polizei", sagte Merkel in ihrem wöchentlichen Video-Podcast. Das Recht der Bevölkerung auf Meinungsfreiheit müsse respektiert werden. Am Freitag finden in Berlin die dritten deutsch-chinesischen Regierungskonsultationen statt, bei denen auch die Proteste in Hongkong ein Thema sein dürften.

In Hongkong demonstrieren seit mehr als einer Woche Tausende Menschen weitgehend friedlich für mehr Demokratie. Die überwiegend jungen Demonstranten fordern von China das Recht, den nächsten Regierungschef von Hongkong frei wählen zu können. Die Zentralregierung in Peking will jedoch allein entscheiden, welche Kandidaten zur Wahl zugelassen werden.