Die Kurden in der syrischen Stadt Kobani haben den Vormarsch der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) nach Angaben von Aktivisten erst einmal gestoppt. Seit zwei Tagen seien die Terroristen nicht weiter vorwärtsgerückt, teilte die der Opposition nahestehende Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Ein kurdischer Aktivist sagte, es sei in den vergangenen Stunden abgesehen von vereinzelten Schusswechseln relativ ruhig in dem Ort.

Die Lage in Kobani sei jedoch weiterhin gefährlich, sagte US-Verteidigungsminister Chuck Hagel. Kämpfer des IS hielten weiterhin mehrere Vororte der Stadt besetzt. Die von den USA geleiteten Luftangriffe hätten den IS aber zurückgedrängt. "Tatsächlich gibt es da einige Fortschritte", sagte Hagel. Die USA würden weiterhin "alles tun, was mit Luftangriffen möglich ist", um den IS aus der Stadt zu vertreiben.

Am frühen Sonntag seien nahe Kobani erneut Luftangriffe geflogen worden, berichtet das Wall Street Journal. Insgesamt habe es fünf Explosionen gegeben. "Die Luftangriffe waren sehr hilfreich", sagte auch der örtliche Kurdenvertreter Idris Nassan.

Der Kommandant der kurdischen Kämpfer, Esmat al-Sheikh, sagte, das Problem sei der Häuserkampf. Dem IS sei es trotz der Luftangriffe möglich gewesen, Panzer und Artillerie in die Stadt zu bringen. Die Terroristen belagerten die Stadt im Osten, Süden und Westen. Gleichzeitig fehlten den kurdischen Kämpfern nach wie vor die nötigen Waffen und Munition, um der Terrormiliz wirksamer entgegentreten zu können, sagte Nassan. Notwendig sei eine bessere Koordination mit der internationalen Koalition.

Etwa 700 Menschen sind noch in Kobani

Nassan forderte die Türkei auf, nördlich der Stadt einen humanitären Korridor zu errichten. Es sollen sich derzeit noch etwa 700 Zivilisten im Stadtzentrum von Kobani befinden, sagte der UN-Gesandte für Syrien, Staffan de Mistura. Darunter seien auch viele ältere Menschen.

Unterdessen fliehen weiter Menschen aus Kobani. Am Samstag hätten mehrere Transporter die türkisch-syrische Grenze erreicht, twitterte der niederländische Journalist Harald Doornbos.

Für die Flüchtlinge will die EU 3,9 Millionen Euro Nothilfe bereitstellen. Mehr als 180.000 Menschen hätten die Stadt verlassen und würden sich nun in der Türkei aufhalten, heißt es in einer Mitteilung der EU-Kommission.

Während der Kämpfe um Kobani, die vor einem Monat begannen, seien bisher 553 Menschen getötet worden, teilte das Syrische Beobachtungszentrum für Menschenrechte mit. Darunter seien 298 IS-Kämpfer.