In der Hand hält der vermummte Dschihadist ein Messer, neben ihm kniet die Geisel – es sind die Momente, bevor der amerikanische Journalist James Foley vor laufender Kamera getötet wird.

Während in den Medien seither viel debattiert wurde, ob es den Terroristen nicht in die Hände spielt, wenn deren barbarische Propaganda in der Berichterstattung über den "Islamischen Staat" (IS) auch noch weiterverbreitet wird, hatte die republikanische Kandidatin für den US-Senat Wendy Rogers solche Skrupel offenbar nicht: Mit den Originalszenen aus dem IS-Video von Foleys Hinrichtung beginnt einer ihrer Wahlwerbespots, der die demokratische Konkurrentin Kyrsten Sinema für ihre vorgeblichen Versäumnisse auf dem Gebiet der nationalen Sicherheit attackiert. "Die Terrorgefahr wächst. Sind wir sicher? Sind wir geschützt?", fragt der Sprecher mit tiefer Stimme.

Angst ist ein schlechter Ratgeber, für den Wahlkampf in den USA aber taugt sie ganz offensichtlich. Und wovor viele Amerikaner im Moment am liebsten Angst haben, liegt auf der Hand: vor der Ausbreitung von Ebola und vor den Dschihadisten des "Islamischen Staats" (IS). Laut einer Umfrage ist 87 Prozent der potenziell republikanischen Wähler das Thema Terrorismus "sehr wichtig" für ihre Wahlentscheidung (Demokraten: 67 Prozent), 82 Prozent der Republikaner sagen, dass sie "sehr besorgt" über den islamistischen Extremismus sind (Demokraten: 51 Prozent).

Die Dschihadisten kommen über Mexiko

Insbesondere die Republikaner nehmen die Ängste ihrer Wähler gerne auf – ist es doch schwer genug, die Wähler bei den Midterms zu mobilisieren. Da sind dann plötzlich Terroristengruppen aus dem Mittleren Osten schon kurz davor, über die mexikanische Grenze in die Vereinigten Staaten zu gelangen, weil sie mit den Drogenkartellen kollaborieren. Tom Cotton, der für die Republikaner in Arkansas in den Senat will, behauptet so etwas zum Beispiel, wider besseres Wissen.

Und er ist damit längst nicht allein: Ein Werbeclip der Republikaner, der sich gegen die demokratische Abgeordnete Ann Kirkpatrick in Arizona richtet, stellt fest: "Jeden Tag wollen böse Mächte auf der ganzen Welt Amerikaner verletzen. Wie sie ins Land kommen? Durch Arizonas Hinterhof." Kirkpatrick wird dann vorgehalten, im Repräsentantenhaus eine bessere Sicherung der Grenze zu Mexiko verhindert zu haben. Der Clip beginnt, natürlich, mit vermummten, waffenbehängten Dschihadisten unter der schwarzen Flagge des "Islamischen Staats" – solche Bilder ziehen sich durch viele Werbefilme für die Kongresswahlen.