Mitglieder der Gewerkschaft CGIL versammeln sich auf der Piazza di San Giovanni in Rom für die Demonstration © Filippo Monteforte/AFP/Getty Images

Hunderttausende Menschen haben in Rom gegen die geplanten Reformen von Italiens Regierungschef Matteo Renzi demonstriert. An der Abschlusskundgebung nahm rund eine Million Menschen teil, wie die Nachrichtenagentur Ansa unter Berufung auf den Gewerkschaftsbund CGIL berichtete. 2.500 Busse und mehrere Sonderzüge brachten Demonstranten in die Hauptstadt. 

"Wir wollen Arbeit für alle, aber Arbeit mit Rechten", rief die CHIL-Chefin, Susanna Camusso, der Menschenmenge zu. Die Wut der überwiegend jungen Demonstranten richtet sich vor allem gegen Renzis Plan, den Kündigungsschutz zu lockern. Es war die erste Massenkundgebung gegen die Politik des Ministerpräsidenten seit seinem Amtsantritt im Februar.

Die CGIL steht Renzis Demokratischer Partei (PD) nahe, doch ist die geplante Arbeitsmarktreform auch innerhalb der Partei umstritten. Am 8. Oktober hatte Matteo Renzi deswegen im Senat die Vertrauensfrage gestellt; 165 Abgeordnete votierten für seine Reform, 111 dagegen.

Unter dem Slogan "Arbeit, Würde, Gleichberechtigung" marschierten die Protestierenden in mehreren Zügen durch Rom. Auf der Abschlusskundgebung sagte CGIL-Chefin Camusso: "Der Tag heute ist kein Endpunkt. Der CGIL ist bereit, seinen Protest fortzusetzen, um die Arbeitsmarktreform und die Politik dieser Regierung zu ändern." Sie drohte in ihrer Rede auch mit einem Generalstreik. "Wir sind hier und gehen nicht weg. Wir werden alle unsere Stärke zum Kampf nutzen, um die Regierungspolitik zu ändern", rief die Gewerkschafterin. Sie kündigte für den 8. November den nächsten Aktionstag an. Renzis Vorschläge "reichen nicht, um den Weg zu ändern, auf dem Italien ist", sagte Camusso weiter.

"Eine Demonstration wird uns nicht aufhalten"

Die Jugendarbeitslosigkeit liegt in Italien bei 44,2 Prozent. Viele Berufseinsteiger erhalten nur Verträge mit kurzer Laufzeit. Renzi will es Unternehmen leichter machen, Angestellte zu entlassen, um sie zu Neueinstellungen zu bewegen. Außerdem soll es möglich werden, Beschäftigten bei gleichbleibender Bezahlung eine andere Arbeit zuzuweisen. Zu Renzis Plänen gehört auch ein System, wonach der Kündigungsschutz und andere Leistungen mit der Beschäftigungsdauer erhöht werden. 

"Ich respektiere die Gewerkschaften, aber eine Demonstration wird uns nicht aufhalten", kündigte Renzi laut italienischen Medien an. Innenminister Angelino Alfano kritisierte: "Die CGIL protestiert gegen eine Reform, mit der Arbeitsplätze geschaffen werden sollen. Sie protestiert, um die Vergangenheit zu verteidigen, aber wir wollen eine Zukunft für junge Leute aufbauen."

Renzi war mit dem Versprechen angetreten, sein Land zu reformieren und aus der schweren Wirtschaftskrise zu führen. Zwar entging Italien knapp der dritten Rezession in den vergangenen sechs Jahren. Die Gesamtverschuldung wird der Prognose zufolge im kommenden Jahr aber eine Quote von 133,4 Prozent des Bruttoinlandsproduktes erreichen – mehr als doppelt so hoch wie zulässig. Italien muss deshalb fürchten, dass der Haushaltsentwurf von der EU-Kommission abgelehnt wird und Nachbesserungen nötig werden.