Ein türkischer Panzer an der türkisch-syrischen Grenze © Ibrahim Erikan/Anadolu Agency/dpa

Kurden, die aus der umkämpften syrischen Stadt Kobani fliehen, müssen mit einer Festnahme an der türkischen Grenze rechnen. Die dortigen Behörden haben nach eigenen Angaben Hunderte aus dem Bürgerkriegsland kommende Kurden festgenommen. Die 265 Festgenommen würden zur Feststellung ihrer Identität festgehalten, sagte ein Behördenvertreter in der türkischen Grenzstadt Suruç. "Wer jetzt noch von der anderen Seite der Grenze herüberkommt, gehört entweder zur PKK oder zu YPG."

Die Regierung in Ankara sorgt sich vor einem länderübergreifenden Bündnis zwischen der in der Türkei verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) und den vor allem in Syrien aktiven kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG). Kämpfer beider Gruppierungen verteidigen derzeit die grenznahe syrische Kurden-Stadt Kobani gegen heranrückende Kämpfer der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS).

Ein Kurden-Vertreter aus Kobani, Idris Nahsen, sagte, in der Nacht zum Mittwoch seien 350 Zivilisten aus Kobani bei der Überquerung der Grenze vom türkischen Geheimdienst festgenommen worden. Demnach werden die Flüchtlinge in zwei Schulen in Suruç festgehalten und drohen mit Selbstverbrennung, sollten sie nicht freigelassen werden.

Zudem gab es in der Türkei schwere Ausschreitungen: 18 Menschen wurden bei Protesten von Kurden gegen die Syrien-Politik der Regierung getötet. Die Demonstranten werfen der Regierung vor, dem drohenden Fall Kobanis tatenlos zuzusehen. Das türkische Parlament billigte zwar jüngst einen möglichen Einsatz der Armee in Syrien und dem Irak, doch startete die Regierung bisher keine militärische Intervention. Die Kurdenpartei HDP hatte deshalb zu landesweiten Protesten aufgerufen, Tausende Menschen folgten dem Appell. Auch in Deutschland gab es bei kurdischen Protesten Ausschreitungen.