Nord- und Südkorea haben nach Angaben aus Seoul die Wiederaufnahme von Verhandlungen auf Spitzenebene vereinbart. Der seit Februar ausgesetzte Dialog solle wiederaufgenommen werden, teilte das südkoreanische Wiedervereinigungsministerium mit. Die nächsten Gespräche sollen Ende Oktober stattfinden. Details wurden nicht bekannt. Die Einigung wurde während eines überraschenden Besuchs von drei führenden Politikern aus Nordkorea anlässlich der Abschlussfeier der Asien-Spiele im südkoreanischen Incheon getroffen.

Nordkorea hatte unerwartet eine hochrangige Delegation zum Abschluss der Asien-Spiele nach Südkorea entsandt. Zu dem Besuch reisten der Leiter des Politbüros der Armee, Hwang Pyong So, der als Nummer zwei des Landes nach Staatschef Kim Jong Un gilt, sowie sein Vorgänger Choe Ryong Hae und der hohe Beamte Kim Yang Gon an.

Hwang wurde in Südkorea von Vereinigungsminister Ryoo Kihl Jae und dem Direktor für Nationale Sicherheit, Kim Kwan Jin, empfangen. Es war das erste Treffen von Spitzenfunktionären der verfeindeten Staaten seit fünf Jahren. Ein Gespräch mit der südkoreanischen Präsidentin Park Guen Hye war jedoch nicht geplant.

Choe dankte dem Süden für die Gastfreundschaft bei den Asien-Spielen. Er sagte, er sei "stolz, dass der Sport die Bemühungen zur Wiedervereinigung anführt". Das Gespräch mit Ryoo dauerte eineinhalb Stunden. Anschließend gab es ein Mittagessen unter Teilnahme von Kim Kan Jin, dem Nationalen Sicherheitsberater von Staatspräsidentin Park Geun Hye. Das Einheitsministerium äußerte die Hoffnung, dass die Gespräche den Beziehungen einen positiven Schub geben würden.

Zeichen für Bereitschaft zur Verbesserung

Auch Beobachter bewerteten den Besuch gilt als Signal für die Absicht des kommunistischen Regimes in Pjöngjang, die gespannten Beziehungen zu Seoul zu verbessern: Professor Yang Moo Jin von der Universität für Nordkoreastudien in Seoul sagte, Hwang und Choe seien enge Vertraute von Staatsführer Kim. Ihre Entsendung zu einem Besuch im Süden sei beispiellos und solle der Welt offenbar die Bereitschaft des Nordens demonstrieren, die Beziehungen verbessern. Womöglich hätten sie einen Brief von Kim überbracht. Es sind die bisher hochrangigsten Kontakte zwischen Nordkorea und der südkoreanischen Regierung von Park, die seit Februar des vergangenen Jahres im Amt ist.

Eine Zusammenkunft auf so hoher Ebene hatte es zuletzt 2009 gegeben. Damals hatte eine Delegation dem verstorbenen südkoreanischen Präsidenten Kim Dae Jung die letzte Ehre erwiesen und mit dessen Nachfolger Lee Myung Bak gesprochen. Doch hatten sich die Beziehungen der Nachbarn danach verschlechtert. Zuletzt hatten sich die Führungen beider Länder häufig gegenseitig beschimpft. Nordkoreanische Staatsmedien hatten Südkoreas Präsidentin Park zuletzt als Prostituierte bezeichnet.      

Der Besuch kommt zu einer Zeit, da Nordkoreas Machthaber schon seit mehreren Wochen in der Öffentlichkeit abwesend ist. Nordkorea hatte zuletzt eingeräumt, dass Kim Jong Un gesundheitliche Probleme habe. Filmaufnahmen vom Sommer zeigten ihn leicht hinkend und mit Übergewicht. In Südkorea wurde spekuliert, dass Kim, der nach unterschiedlichen Angaben 31 oder 32 Jahre ist, unter anderem an erblich bedingter Gicht leiden könnte.