Die kanadische Regierung wertet die zwei tödlichen Zwischenfälle in Ottawa und Quebec in dieser Woche als Terrorangriffe. Auch wird vermutet, dass beide Attentate in Verbindung stehen zum kanadischen Engagement gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS). Premierminister Stephen Harper sagte in einer Fernsehansprache: "Kanada lässt sich von niemandem einschüchtern." Er kündigte eine Verschärfung der Anti-Terror-Gesetze an.

Kanada ist mit acht Kampfjets an der internationalen Koalition gegen den IS beteiligt. Am Dienstag hatte das Land die Terroralarmstufe von niedrig auf mittel erhöht, weil in letzter Zeit die allgemeine Kommunikation radikalislamischer Organisationen zugenommen habe. Harper kündigte nach der "brutalen und gewalttätigen Tat" ein stärkeres Engagement seines Landes im Kampf gegen den internationalen Terrorismus an.

Am Mittwoch hatte ein bewaffneter Mann im Regierungsviertel Ottawas einen Wachsoldaten getötet. Anschließend stürmte er in das naheliegende Parlamentsgebäude. Dort wurde er vom Chef des Sicherheitsdienstes des Hauses erschossen. Die Polizei geht mittlerweile davon aus, dass der Mann allein gehandelt hat. Es gebe für die öffentliche Sicherheit keine Bedrohung mehr. Polizei und Regierung hatten gemutmaßt, bei dem Angriff seien mehrere Personen beteiligt gewesen.

Attentäter war mehrfach vorbestraft

Harper bestätigte, dass es sich bei dem getöteten Attentäter um einen kanadischen Staatsbürger handelte. Den Ermittlern zufolge handelt es sich um den mehrfach vorbestraften 32-jährigen Michael Z., der kürzlich zum Islam konvertiert ist. Das ist eine Parallele zu dem Zwischenfall vom Montag, bei dem ein Mann auf einem Parkplatz zwei Soldaten überfuhr und dann später auf der Flucht von Polizisten erschossen wurde. Auch dieser Mann war kürzlich zum Islam übergetreten.

Einem Bericht der kanadischen Zeitung The Globe and Mail zufolge war Michael Z. geistig verwirrt. Ein Freund des Attentäters sagte, Z. sei nicht extremistisch gewesen, habe aber oft davon gesprochen, vom Teufel verfolgt zu werden. Er habe auch vor etwa sechs Wochen von Plänen erzählt, nach Libyen zu reisen. Dort sei er schon früher eine längere Zeit gewesen. "Ich denke, er war geisteskrank", wurde der Freund zitiert. 

Die Behörden hatten Z. dem Zeitungsbericht zufolge als "hochgefährlichen Reisenden" eingestuft. Demnach wurde ihm erst kürzlich der Pass entzogen. Wegen Raubes und Waffenbesitzes soll er 2003 zu einer zweijährigen Haftstrafe verurteilt worden sein.