Die in der Türkei als Terrororganisation eingestufte kurdische Arbeiterpartei PKK hat der Türkei mit der Aussetzung des Friedensprozesses und der Wiederaufnahme des Guerilla-Krieges gedroht, sollten bei Unruhen in den türkischen Kurdengebieten weiterhin Menschen getötet werden. Das sagte der de-facto-Chef der PKK, Cemil Bayik, in einem Interview mit dem ARD-Hörfunk.

"Wir haben die Türkei gewarnt. Wenn sie so weitermachen, dann wird die Guerilla den Verteidigungskrieg zum Schutz des Volkes wieder aufnehmen", sagte Bayik. Die Hauptaufgabe der Guerilla sei der Schutz des Volkes. Die PKK habe bereits aus der Türkei abgezogene Kämpfer zurückgeschickt, da die türkische Regierung die Präsenz ihrer Sicherheitskräfte in den kurdischen Gebieten entgegen der Absprachen ausgebaut hätte. Der eigentlich stellvertretende Chef der PKK ist derzeit ranghöchstes Mitglied der Organisation, da ihr Vorsitzender Abdullah Öcalan inhaftiert ist. 

Außerdem kritisierte Bayik eine vom türkischen Parlament erteilte Ermächtigung, die der Regierung militärisches Eingreifen in Syrien und dem Irak ermöglicht. Diese richte sich im Kern gegen die PKK und nicht die Terrororganisation "Islamischer Staat". "Die IS-Terrormiliz wird in dieser Ermächtigung kaum erwähnt. Die PKK wird sehr wohl erwähnt", sagte Bayik. Damit sei eine Entscheidung für den Krieg gegen die PKK gefallen und der Friedensprozess beendet.

In der Türkei kommt es seit Tagen zu Ausschreitungen bei Demonstrationen der kurdischen Bevölkerung. Die wirft dem türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdoğan und seiner regierenden Partei AKP vor, dem Massaker an Kurden in der syrischen Grenzstadt Kobani tatenlos zuzusehen. Bei den Protesten kamen bisher mehr als 30 Menschen ums Leben.

Kurden in Kobani fast eingekesselt

Die Lage in Kobani spitzte sich für die kurdischen Verteidiger unterdessen weiter zu. Der IS hat die Angriffe weiter intensiviert und die syrisch-kurdische Grenzstadt von drei Seiten aus in die Zange genommen. Der kurdische Aktivist Farhad al-Schami berichtete der Deutschen Presse-Agentur am Telefon aus der umkämpften Enklave an der Grenze zur Türkei, es gebe heftige Gefechte im Süden, Westen und vor allem im Osten der Stadt. Den nur mit leichten Waffen ausgerüsteten kurdischen Kämpfern sei es gelungen, während der Nacht mindestens sieben Angriffe der Dschihadisten im Südwesten zurückzuschlagen.


Auch in Deutschland machen prokurdische Demonstrationen auf die Situation in Kobani aufmerksam. Zu einem Protestmarsch in Düsseldorf erwarten die Behörden am heutigen Samstag mehr als 12.000 friedliche Teilnehmer. In Hamburg und Celle war es in den vergangenen Tagen im Anschluss an friedliche Demonstrationen mehrfach zu Krawallen zwischen Kurden und vermutlich salafistischen IS-Sympathisanten gekommen.      

Die Terrororganisation erfährt hierzulande wachsenden Zulauf an Kämpfern und Unterstützern. Im Zusammenhang mit der Dschihadistengruppe liefen derzeit Verfahren gegen mehr als 200 Beschuldigte, sagte Justizminister Heiko Maas (SPD) Spiegel Online. Das seien 60 mehr als noch vor einem Monat.