Lächeln, winken, lächeln: Ein Mann strampelt sich ab. Und doch kommt Klaus Johannis in Rumäniens Zentrum der Macht auf seinem Leihfahrrad nur mühsam voran. Immer wieder schneiden Kamerawagen dem in Jeans und schwarzer Jacke radelnden Präsidentschaftskandidaten den Weg ab, Begleitfahrzeuge der Polizei drosseln an jeder Kreuzung zusätzlich das Tempo. Doch der 55-jährige lässt sich selbst im dichten Bukarester Berufsverkehr nicht aufhalten: "Wenn der politische Wille da ist, findet sich immer ein Weg", verkündet er unbeirrt.

Johannis möchte eine Sensation schaffen: Obwohl die Deutschstämmigen in Rumänien nur noch eine winzige Minderheit bilden, möchte der Erfolgsbürgermeister von Sibiu, dem früheren Hermannstadt, als Siebenbürger Sachse Präsident werden. 

14 Bewerber kandidieren bei der Direktwahl am Sonntag, doch nur zwei dürften den Sieg in der Stichwahl am 16. November unter sich ausmachen. Als klarer Favorit gilt der sozialdemokratische Premier Victor Ponta. Aber auch der 55-jährige Johannis, Kandidat der konservativen Opposition, rechnet sich Chancen aus: "Der Zuspruch für mich steigt", gibt er sich kurz vor der Abstimmung selbstbewusst.

Kandidat der Unzufriedenen

Ein Überraschungssieg war dem früheren Physiklehrer schon bei seiner ersten Wahl zum Stadtoberhaupt von Sibiu vor 14 Jahren geglückt. Obwohl dort die deutsche Minderheit nicht einmal mehr zwei Prozent der Bevölkerung stellt, wurde der damals noch parteilose Johannis als krasser Außenseiter überraschend gewählt. Als "typische Alternativwahl" bezeichnet der nüchterne Pädagoge im Rückblick seinen Erfolg: "Die Leute hatten sämtliche etablierten Politiker satt."

Auf ein ähnliches Szenario setzt der mittlerweile dreimal als Bürgermeister wiedergewählte Johannis auch jetzt. Zwar sehen die Umfragen den eloquenten Ponta vor dem ersten Wahlgang mit rund zehn Prozent Vorsprung klar vorn. In der Stichwahl könnte ihm der vom bürgerlichen Wahlbündnis ACL nominierte Quereinsteiger Johannis jedoch gefährlich werden.

Denn die Rumänen sind der andauernden, mit üblen Methoden ausgetragenen Machtkämpfe der Politiker seit dem Sturz des kommunistischen Regimes von Diktator Nicolae Ceaușescu vor 25 Jahren überdrüssig. Auch jetzt überschatten zahlreiche Skandale den Wahlkampf. Im Mittelpunkt stehen fast immer führende Personen der regierenden sozialdemokratischen Partei PSD. Unter anderem geht es um Korruptionszahlungen in Millionenhöhe bei der Anschaffung von IT-Systemen für die Schulen und die Überwachung der Landesgrenzen sowie um betrügerische Privatisierungen einst verstaatlichter Ländereien.  

Machtkampf des scheidenden Präsidenten

Hinter der auffällig gehäuften Aufdeckung solcher Vorwürfe mitten im Wahlkampf vermutet der Politologe Cristian Pârvulescu den scheidenden Präsidenten Traian Băsescu. Der will um jeden Preis verhindern, dass sein Erzrivale Ponta sein Nachfolger wird, und bezichtigt ihn deshalb auch der früheren Mitarbeit für den Auslandsgeheimdienst.

Es gebe keine Debatten um Programme oder Visionen für das Land, sondern nur um Affären und Intrigen, beklagt Pârvulescu: "Politik in Rumänien ist vor allem Geschäft. Nur ein kleiner Teil der Stimmen wird völlig frei vergeben."