Nach den schweren Angriffen auf ägyptische Sicherheitskräfte plant die Regierung stärkere Befugnisse des Militärs im Kampf gegen radikale Islamisten. Präsident Abdel Fattah al-Sisi bezeichnete die Aufständischen in einer Fernsehansprache als "existenzielle" Bedrohung für das Land. Zugleich kündigte er "viele Maßnahmen" der Armee auf der Sinai-Halbinsel an, die in weiten Teilen als unkontrolliertes Rückzugsgebiet für Extremisten gilt.

Es wird erwartet, dass dort die militärische Pufferzone an der Grenze zum Gazastreifen ausgedehnt wird, um militante Islamisten ausfindig zu machen und Tunnels zu zerstören, über die Waffen und Kämpfer eingeschmuggelt werden. Sicherheitskreisen zufolge erwägt das Militär dazu eine Umsiedlung von Bewohnern des Grenzgebiets. Ferner ist vorgesehen, die Befugnisse von Militärgerichten auszuweiten. Sie sollen künftig auch Zivilisten verurteilen können, wenn diesen Vergehen wie Straßenblockaden und Angriffe auf öffentliches Eigentum vorgeworfen werden. Diesen Schritt hat der ägyptische Ministerrat vorgeschlagen. Dem musste der Präsident noch zustimmen.

Zuvor hatte die Regierung bereits über Teile des Nordsinai einen dreimonatigen Ausnahmezustand verhängt. Zudem gilt eine Ausgangssperre von 17 bis 7 Uhr morgens.

Außerdem starteten die Streitkräfte eine großangelegte Militäraktion auf der Halbinsel. Dort waren am Freitag bei zwei Anschlägen mindestens 33 Sicherheitskräfte getötet worden. Zu den Attentaten hat sich bislang niemand bekannt. Al-Sisi sagte nach einem Treffen des Obersten Rats der Streitkräfte, die Täter seien aus dem Ausland unterstützt worden, ohne dies näher zu erläutern. Er sagte lediglich: Ein aus Armeevertretern bestehendes Komitee sei eingesetzt worden, um die jüngsten "Terrorangriffe auf dem Sinai zu untersuchen".

Ähnliche Anschläge verübte in der Vergangenheit die Dschihadisten-Gruppe Ansar Bait al-Makdis. Sie wird Behördenangaben zufolge von der Extremistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) beeinflusst, die von einem US-geführten Bündnis mit Luftangriffen im Irak und in Syrien bekämpft wird.

Seit dem Sturz des islamistischen Präsidenten Mohamed Mursi lehnen sich Islamisten gegen Al-Sisis Führung auf. Hunderte Soldaten und Polizisten wurden dabei getötet.