Die katalanische Regierung setzt sich über eine Entscheidung des Verfassungsgerichts in Madrid hinweg und treibt ihre Pläne für ein Unabhängigkeitsreferedum voran. Regionalpräsident Artur Mas verfügte per Dekret die Gründung einer Wahlkommission, die das von der Zentralregierung abgelehnte Referendum organisieren soll, wie ein Sprecher von Mas in Barcelona sagte. Das Dekret sollte mit seiner Veröffentlichung im Amtsblatt noch im Laufe des Tages in Kraft treten.

Mit dem Dekret übergeht die Regionalregierung eine Entscheidung des spanischen Verfassungsgerichts, das die für den 9. November geplante Abstimmung auf Betreiben Madrids am Montag vorerst gestoppt hatte. Spaniens konservative Regierung unter Ministerpräsident Mariano Rajoy betrachtet die geplante Volksbefragung über eine Unabhängigkeit der verhältnismäßig wohlhabenden Region des krisengebeutelten Landes als verfassungswidrig. Es wird erwartet, dass das Verfassungsgericht letztlich derselben Auffassung ist und das Referendum verwirft. Das Gericht hat fünf Monate Zeit für eine Entscheidung.

Dem Gerichtsbeschluss folgend stoppte Barcelona am Dienstag die offizielle Kampagne für eine Unabhängigkeit und schien sich damit an die Anweisung aus Madrid zu halten. Diesem Eindruck widerspricht das am Donnerstag verfügte Dekret. Noch im Laufe des Freitags wollte Mas mit Vertretern jener Parteien zusammenkommen, die sich im katalanischen Parlament für das Referendum aussprechen. So will der linke Flügel die Befragung auch bei einem Verbot durch Madrid realisieren. Sollte dies tatsächlich passieren, steuerte Spanien auf eine in seiner jüngeren Geschichte beispiellose Verfassungskrise zu.