Türkische Soldaten und Flüchtlinge aus Syrien an einer Grenze nahe der Stadt Suruç © Carsten Koall/Getty Images

Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoğlu hat den Kurden in der von der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) belagerten nordsyrischen Grenzstadt Kobani Hilfe zugesichert. Sein Land werde alles unternehmen, um die Eroberung durch die radikalislamische Miliz zu verhindern, sagte der Regierungschef im TV-Sender A Haber. 

Kein anderes Land habe die Möglichkeit, die Entwicklung in Syrien und im Irak so zu beeinflussen wie die Türkei, kein anderes Land werde aber auch so davon betroffen sein. "Wir würden nicht wollen, dass Kobani fällt", sagte Davutoğlu. Das türkische Parlament hatte am Donnerstag Militäreinsätzen gegen die Terrormiliz zugestimmt.

Der Iran warnte die Türkei vor den Folgen eines Kampfeinsatzes gegen die Miliz. "Zumindest die Länder in der Region sollten nicht etwas unternehmen, was die Lage weiter eskalieren würde", sagte Außenminister Mohammed Dschawad Sarif laut iranischem Staatsfernsehen. Man sollte verantwortungsvoll auf die derzeitige Situation reagieren und sie nicht noch komplizierter machen, sagte er demnach in einem Telefonat mit seinem türkischen Amtskollegen Mevlüt Cavusoğlu.

Merkel sieht die ganze Welt gefordert

Kanzlerin Angela Merkel rief die Staatengemeinschaft zu einem geschlossenen Kampf gegen die Dschihadisten auf: "Die ganze Welt ist gefordert." In ihrer Rede zum Tag der Deutschen Einheit bezeichnete sie die Gruppe als eine Terrororganisation, deren "barbarischer Vormarsch" in Syrien und im Nordirak gestoppt werden müsse. Sich der Gewaltherrschaft des IS entgegenzustellen, sei in Deutschlands Interesse – auch weil die Dschihadisten die Sicherheit hierzulande bedrohten.

In der überwiegend von Kurden bewohnten Stadt Kobani lieferten sich IS-Kämpfer und Kurden derweil heftige Kämpfe. Die kurdischen Volksschutzeinheiten wehrten nach eigenen Angaben drei Angriffe der Extremisten ab. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete, den Kurden sei es gelungen, zwei IS-Fahrzeuge zu zerstören. Die kurdische Nachrichtenseite Welati meldete, die Kurden hätten einen IS-Panzer zerstört.

Angesichts der heftigen Angriffe der Terrormiliz fordern die syrischen Kurden von den USA schärfere Luftangriffe gegen die Extremisten. Das internationale Bündnis gegen den IS müsse deren Kämpfer nun direkt an der Frontlinie in Kobani bombardieren, sagte die Co-Vorsitzende der syrisch-kurdischen Partei der Demokratischen Union (PYD), Asia Abdullah. 

Abdullah warnt vor einseitigem Eingreifen der Türkei

Die bisherigen Angriffe der Koalition seien nicht effektiv gewesen, hieß es. So habe das von den USA geführte Bündnis in der Nacht auf Freitag den IS weit entfernt von Kobani bombardiert. Zugleich warnte Abdullah die Türkei vor einem einseitigen Eingreifen. Sollte das türkische Militär in Syrien aktiv werden, müsse das eine "internationale Entscheidung" sein, sagte sie.

Die Terrormiliz versucht seit Tagen, Kobani einzunehmen. Die Stadt liegt an der Grenze zur Türkei und ist die letzte Bastion in einer Enklave, die bislang von kurdischen Volksschutzeinheiten beherrscht wurde. Die Terrormiliz kontrolliert bereits mehr als 300 Dörfer im Umland der Stadt. In der Folge sind mehr als 150.000 Kurden in die Türkei geflohen.

Australien beteiligt sich am Kampf gegen den "Islamischen Staat"

Unterdessen kündigte auch Australien Luftangriffe gegen die IS-Miliz im Irak an. Der Einsatz mit den sechs Kampfjets vom Typ Super Hornet könnte relativ lange dauern, eher Monate als Wochen, teilte Premierminister Tony Abbott mit. Zwar handele es sich um eine Kampfmission, doch gehe es im Grunde um eine humanitäre Mission zum Schutz der Iraker und letztlich auch der Australier vor "der mörderischen Wut des IS-Todeskults". Der IS habe der Welt den Krieg erklärt, und die Welt antworte darauf, sagte Abbott.

Die Ankündigung war erwartet worden, nachdem die Kampfjets vor mehr als zwei Wochen in den Vereinigten Arabischen Emiraten stationiert worden waren. Zuvor hatten die USA um eine australische Beteiligung an dem internationalen Bündnis gegen die IS-Miliz gebeten. Nachdem zuletzt auch eine Anfrage der irakischen Regierung einging, billigten die sieben Kabinettsminister, die auch den Nationalen Sicherheitsrat bilden, den Einsatz.

Der australische Luftwaffenchef Mark Binskin erklärte, die Angriffe würden in den nächsten Tagen beginnen. Zudem stellte die Regierung in Canberra eine mögliche Aufstockung auf acht Kampfjets in Aussicht. Das Kabinett stimmte zugleich der Entsendung von Spezialkräften zu. Die Soldaten sollen die Iraker beraten.