Die Lage in Ägypten ist extrem angespannt: Nach dem Freitagsgebet könnte es zu den größten Demonstrationen seit dem Sturz des Präsidenten Mohammed Mursi im Juli 2013 kommen. Angesichts der massiven Drohungen von Seiten der Einsatzkräfte könnte es aber auch bei kleineren Ausschreitungen bleiben. Fest steht: Salafisten, Muslimbrüder und Studentenverbände haben im ganzen Land zu Massendemonstrationen für den Nachmittag aufgerufen. Die Gruppierungen haben zum Ziel, die Regierung des Präsidenten Abdel Fattah al-Sissi zu stürzen und ihre Religion zu verteidigen. Das Innenministerium ist alarmiert und hat gedroht zu schießen.   

In der ägyptischen Hauptstadt herrscht schon jetzt Ausnahmezustand: Die Einsatzkräfte haben gepanzerte Fahrzeuge auf die Straßen geschickt und schotteten die zum Präsidentenpalast und Verteidigungsministerium führenden Straßen mit Betonblöcken ab. Bereits am Morgen wurden mehr als 100 Islamisten vor einer geplanten Demonstration festgenommen. Dabei wurden zwei hochrangige ägyptische Offiziere getötet. Die beiden Soldaten seien bei zwei getrennten Schießereien durch unbekannte Angreifer getötet worden, teilten die Behörden mit. Zwei Wehrpflichtige seien verletzt worden. Auch sieben Bomben seien entschärft worden, teilte das Innenministerium mit.

Die ultrakonservative Gruppe Salafistische Front hat die Kundgebungen mit organisiert. Sie warnte vor einem Krieg gegen den Islam und forderte die Demonstranten auf, Korane hochzuhalten. Das Motto der Demonstrationen lautet "Aufstand der muslimischen Jugend".

Muslimbrüder warnen vor Massakern

Die verbotene Muslimbruderschaft des Ex-Präsidenten Mursi unterstützt den Protestaufruf. Sie warnte Unterstützer jedoch vor gewalttätigen Auseinandersetzungen. Es gebe glaubwürdige Nachrichten über abscheuliche Verschwörungen von Geheimdiensten, Polizei und ihren bezahlten Schlägern: Diese planten, Massaker an den Demonstranten und ägyptischen Bürgern zu verüben. "Wir rufen die Anti-Putsch-Demonstranten auf, den Kriminellen keine Gelegenheit zu geben, Gewalt einzusetzen oder ägyptisches Blut fließen zu lassen", hieß es in einer Mitteilung der Bruderschaft. 

In Ägypten soll am morgigen Samstag das Urteil gegen Mursis Amtsvorgänger, Ex-Präsident Husni Mubarak, verkündet werden. Er ist wegen der Tötung von mehr als 900 Demonstranten während des Volksaufstands 2011 angeklagt. Angesichts der politischen Veränderungen im Land und dem damit verbundenen Vorgehen gegen Islamisten hatte das Interesse an dem Gerichtsverfahren zuletzt abgenommen.