Bei Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei sind zwei Menschen gestorben. Zudem seien mindestens neun weitere Menschen verletzt worden, sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums. Die ägyptische Nachrichtenseite "Al-Masry al-Youm" berichtete unter Berufung auf den Kairoer Polizeichef, dass 85 Demonstranten festgenommen worden seien. Sicherheitskräfte riegelten den Tahrir-Platz im Stadtzentrum mit Stacheldraht ab. Die Armee brachte Panzer in Stellung.

Nach dem Freispruch für den ehemaligen ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak waren in Kairo zahlreiche Menschen auf die Straße gegangen, um gegen das Gerichtsurteil zu protestieren. Etwa 1.000 Menschen versammelten sich an einem Zugang zum Tahrir-Platz im Stadtzentrum und riefen in Sprechchören: "Der Mörder freigesprochen, das Blut unserer Brüder nicht umsonst geflossen." Sie skandierten auch Parolen, in denen sie das Volk aufforderten, das aktuelle Regime unter General Abdel Fattah al-Sissi zu stürzen. Sicherheitskräfte setzten Tränengas und Wasserwerfer gegen die Demonstranten ein.

Der Tahrir-Platz war während des Aufstandes gegen Mubarak im Jahr 2011 das Zentrum der Proteste gegen dessen jahrzehntelange autokratische Herrschaft. Im Februar desselben Jahres führten sie zu seinem Sturz. Während der 18-tägigen Revolte des Arabischen Frühlings töteten Armee und Polizei mehr als 800 Menschen.

Für diese Toten war nach Auffassung der Anklage auch Mubarak verantwortlich. Das Strafgericht aber sah das anders und hat den Prozess gegen den ehemaligen Langzeitherrscher am Samstag eingestellt. Zugleich sprach das Gericht den 86-Jährigen vom Vorwurf frei, Staatsgelder veruntreut zu haben. Auch der frühere Innenminister Habib al-Adli, Mubaraks Söhne Gamal und Alaa sowie weitere Angeklagte wurden freigesprochen. Nach dem Urteil brach im Gerichtssaal Jubel aus. 

Der Vorsitzende Richter Mahmud al-Rashidi erklärte, die Aufhebung der Anklagen wegen Korruption in den letzten Jahren seiner 29-jährigen Herrschaft bedeutete nicht, dass Mubarak frei von jeglicher Schuld sei. "Gegen ihn zu urteilen, nachdem er alt geworden ist, wird Sache der Geschichte und des Richters der Richter, des Gerechten und der Gerechtigkeit sein", sagte Al-Rashidi mit Verweis auf Gott.