Der russische Präsident Wladimir Putin, US-Präsident Barack Obama und der chinesische Präsident Xi Jinping © Pablo Martinez Monsivais/Pool/Reuters

Schon einmal hatte Xi Jinping die USA düpiert. Seine erste Reise als chinesischer Staatspräsident führte ihn vor eineinhalb Jahren nicht zu Barack Obama nach Washington, sondern zu Wladimir Putin in die russische Hauptstadt. Damals versuchte Washington, dieser Bevorzugung Putins keine große Bedeutung beizumessen.

Das ist dieses Mal nicht mehr möglich. Beim Gipfel der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (Apec) an diesem Dienstag sind 18 weitere Staatschefs anwesend. Sie beobachten sehr genau, wie die Führer der drei größten Nationen der Welt miteinander umgehen. Wieder gibt Xi sehr deutlich zu verstehen, auf wessen Seite er sich schlägt: Für das Gruppenfoto aller 21 Staatschefs holt Xi den russischen Präsidenten neben sich. Für Obama bleibt nur ein Platz am Rand.

Das Verhältnis zwischen den USA und China war schon immer schwierig. Doch zumindest bei öffentlichen Auftritten zeigten die chinesischen Staatsführer Respekt gegenüber der Weltmacht und gaben sich höflich und bescheiden. Diese zurückhaltende Außenpolitik seiner Vorgänger hat Xi aufgegeben und lässt nun kaum eine Gelegenheit aus, Washington zu düpieren – sehr zur Freude Putins.

"China soll im Mittelpunkt stehen"

Die Botschaft ist klar. Xi ist so mächtig wie seit dem Tod des Reformers Deng Xiaoping kein Vorgänger vor ihm, nachdem er sich unter dem Deckmantel der Korruptionsbekämpfung mit der größten Säuberungswelle seit der Kulturrevolution seiner innenpolitischen Widersacher weitgehend entledigt hat. Nun will der 61-Jährige auch der Außenwelt seine Stärke demonstrieren – sehr viel mehr als es Deng je gewagt hatte. Den USA will Peking mindestens ebenbürtig begegnen.

Bei der ersten Begegnung mit Obama vor einem Jahr im kalifornischen Summerville sprach Xi von einem "neuen Typus der Beziehungen zwischen Großmächten". Was er damit genau meinte, führte er damals nicht aus. Doch inzwischen wird es klarer. "China soll im Mittelpunkt stehen", sagt Bonnie Glaser vom Centre of Strategic and International Studies, einer Washingtoner Denkfabrik im Economist. Und jedes andere Land auf der Welt habe künftig die chinesischen Interessen zu berücksichtigen.

Doch auch persönlich scheint Xi nicht viel Respekt für den US-Präsidenten übrig zu haben. Der chinesische Staatspräsident hält Obama für schwach – und zwar nicht erst seit der bitteren Niederlage bei den Kongresswahlen in der vergangenen Woche. Im Kampf gegen den "Islamischen Staat" werfen die chinesischen Staatsmedien den USA Versagen vor, über den Umgang der westlichen Mächte mit Russland in der Ukraine-Krise spotten sie. Stattdessen würden die USA in Asien für instabile Verhältnisse sorgen, indem sie mithilfe von Japan, den Philippinen und Vietnam versuchten, China einzukreisen – so zumindest lautet die offizielle chinesische Lesart.

Umso mehr ist Gastgeber Xi auf dem Apec-Gipfel um die anderen anwesenden Staatschefs bemüht und zeigt sich in Geberlaune. Mit der Gründung der von Peking initiierten Asiatischen Infrastruktur-Investment-Bank (AIIB) verspricht Xi den süd- und zentralasiatischen Nachbarn massive finanzielle Hilfen für den Bau von Häfen, Schienen und Straßen. Allein 50 Milliarden US-Dollar will Peking für diese neue Bank zur Verfügung stellen. Für den Bau einer sogenannten neuen Seidenstraße, die nicht nur die asiatischen Länder verbinden, sondern bis nach Europa reichen soll, schießt die chinesische Führung 40 Milliarden Dollar zu.