In Nigeria hält die Islamistengruppe Boko Haram eigenen Angaben zufolge einen entführten Deutschen als Geisel. Das sagte Boko-Haram-Anführer Abubakar Shekau in einem Video. Der Deutsche war am 16. Juli im Nordosten Nigerias von Bewaffneten auf Motorrädern verschleppt worden. Zu der Entführung bekannte sich zunächst niemand.

Der Überfall hatte sich in der Stadt Gombe ereignet, die etwa 100 Kilometer von der Hauptstadt des Bundesstaates Adamawa, Yola, entfernt liegt. Der Deutsche leitete in Gombe ein staatliches Bildungszentrum.

Boko Haram hat wiederholt Ausländer entführt, darunter im Januar 2012 einen deutschen Bauingenieur. Der Mann wurde Wochen später bei einer missglückten Befreiungsaktion getötet.

Attentat an Busbahnhof mit acht Toten

Durch einen Bombenanschlag in Gombe wurden am Freitag acht Menschen getötet und viele weitere verletzt, als drei Bomben an der zentralen Busstation detonierten. Laut der Polizei wurden drei Menschen festgenommen, die Augenzeugen zufolge die Sprengsätze platziert hatten. Zunächst bekannte sich niemand zu dem Attentat.

Im Norden Nigerias verübt die islamistische Boko Haram regelmäßig Anschläge. Gombe liegt an der Grenze zu den drei Bundesstaaten Adamawa, Borno und Yobe, wo seit dem Frühjahr 2013 der Ausnahmezustand herrscht. Am 17. Oktober hatte Nigerias Regierung bekannt gegeben, sie habe mit Boko Haram einen Waffenstillstand ausgehandelt, doch die Gewalt reißt nicht ab.

Boko Haram dementierte dies nun. In dem Video erklärte ihr Anführer Abubakar Shekau, er kenne Danladi Adamu nicht, den angeblichen Vertreter der Islamistenmiliz, der mit der Regierung verhandelt habe, berichteten nigerianische Medien.

Entführte Schülerinnen sollen verheiratet worden sein

Damit schwinden die Hoffnungen auf eine Freilassung der Schülerinnen, die Mitte April im Nordosten Nigerias von Boko Haram verschleppt worden waren. Shekau behauptete in dem Video vom Freitag, dass 219 verschleppte Schülerinnen zum Islam konvertiert und verheiratet worden seien. "Das Problem mit den Mädchen ist lange vergessen, weil ich sie schon vor Langem verheiratet habe", sagte Shekau und lachte dabei. Er fügte hinzu: "In diesem Krieg gibt es kein Zurück."

Die Extremistengruppe kämpft seit Jahren mit Gewalt für einen islamischen Staat im mehrheitlich muslimischen Norden Nigerias. Seit 2009 tötete Boko Haram bei Anschlägen und Angriffen auf Polizei, Armee, Kirchen und Schulen mehr als 10.000 Menschen.