Die Menschen in Burkina Faso fühlen sich um ihren Sieg gebracht: Das Militär hat nach dem Sturz des ehemaligen Präsidenten Blaise Compaoré die Macht übernommen. Es kam zu neuen Protesten, die Afrikanische Union und die UN fordern eine zivile Übergangsregierung.

Doch wer soll diese Regierung stellen? In 27 Jahren Herrschaft hat so gut wie jeder Politiker des Landes direkt oder indirekt für Compaorés Regierung gearbeitet. Eine echte Opposition gibt es nicht. 

Die französische Tageszeitung Libération hat eine kuriose Meldung des Flughafens von Ouagadougou entdeckt, die das Problem auf den Punkt bringt: "In den kommenden Monaten werden eventuell Wahlen stattfinden. Sofern das 'Übergangsregime' nicht zu viel Gefallen an den Freuden des Regierens findet." Und selbst wenn es die Wahlen gebe, so der Text des Flughafens weiter, könne Burkina statt des "Übergangsregimes" alte Weggefährten von Compaoré wählen. Es sei also bald wieder alles beim alten. Fluggäste müssten sich keine Sorgen um anstehende Reisen machen.

Rutscht das westafrikanische Land von einem Übel ins nächste?

Ein weiterer Militärputsch in der Geschichte des Landes

In Ouagadougou haben die Menschen Angst, dass sich die Geschichte einfach wiederholt: Auch Compaoré ist als Militärführer durch einen Putsch an die Macht gekommen. Ein Modell, das in vielen afrikanischen Staaten verbreitet ist.     

Nur wäre das Volk seinen Präsidenten ohne die Hilfe des Militärs gar nicht losgeworden. Insofern hat das Militär den Willen des Volkes zunächst ausgeführt. Das sehen auch viele Oppositionelle so, allen voran die zivilgesellschaftliche Organisation Balai Citoyen (zu Deutsch etwa "Der Bürgerbesen"). Einer der Gründer der Organisation, der Rapper Smockey, sagte in einem BBC-Interview, der Deal mit dem Militär sei notwendig gewesen. Bleibt die Frage, wie man die Armee jetzt wieder von der Spitze des Landes vertreiben soll.

Doch die Weltgemeinschaft macht es sich zu leicht, wenn sie fordert: Das Militär muss seine Macht sofort abgeben und an eine zivile Regierung übergeben. Der UN-Sondergesandte für Westafrika, Mohamed Ibn Chambras drohte Burkina Faso mit Sanktionen, die widerum helfen dem Land jedoch am allerwenigsten. 

Bewohner von Ouagadougou putzen nach den Protesten die Straßen. © Issouf Sanogo/AFP/Getty Images

Eine neue Generation an Politikern müsste her – in Burkina Faso wie auch in vielen anderen afrikanischen Staaten. Politiker, die ein ehrliches Interesse an Demokratie und an Veränderung in ihrem Land und auf ihrem Kontinent haben.   

Doch genau hier sehen viele afrikanische Intellektuelle das Problem: Die Eliten haben es sich viel zu lange viel zu gemütlich gemacht in ihren Sesseln. Und wenn einer geht, folgt sofort ein Neuer. Die Verlockungen sind groß und auch das viele Geld von außen kann da wenig helfen: Es kann sogar kontraproduktiv sein. Entwicklungshilfe zu beziehen ist einfacher, als ein Land zu sanieren, schreibt die in Sambia aufgewachsene Harvard-Ökonomin Dambisa Moyo in ihrem Buch Dead Aid – ein Plädoyer gegen Entwicklungshilfe, das viel Aufsehen erregt hat. Ihre Forderung: Afrika muss sich selbstbestimmt und unabhängig neu erfinden. Das geht nur über Bildung.

Auswirkungen in den Nachbarländern sind schon spürbar

Es bleibt ein Dilemma. Aber egal wie es weitergeht, die Situation in Burkina wird Auswirkungen auf den ganzen Kontinent haben: In Burundi etwa machte der dortige Präsident Pierre Nkurunziza bislang keinen Hehl daraus, eine dritte Amtszeit anzustreben, obwohl die Verfassung es verbietet. Sein Regierungssprecher teilte mit, man fürchte sich nicht vor ähnlichen Zuständen wie in Burkina. Prompt kam die Erwiderung: "Es könnte sogar noch schlimmer werden", sagte Pacifique Nininahazwe, ein zivilgesellschaftlicher Aktivist des Landes. "Wir werden nicht schweigen, wenn Nkurunziza die Verfassung verletzt."

Im Kongo hat die Gefängnisverwaltung in Kinshasa alle Fernseher beschlagnahmt, damit die Insassen die Ereignisse in Ouagadougou nicht verfolgen können.

Sie konnten auch nicht sehen, wie die Demonstranten nach den großen Protesten die Besen gezückt und die Straßen gefegt haben. Die Menschen hätten so gerne Ordnung in ihrem Land. Einen sauberen Übergang in die Demokratie.