Die Opposition in Burkina Faso hat die Machtübernahme des Militärs kritisiert und die Zivilbevölkerung des westafrikanischen Staates zu einer Protestversammlung am heutigen Sonntag aufgerufen.

Die USA – ein Bündnispartner Burkina Fasos – schlossen sich der Kritik am Militärputsch an. Die US-Regierung rief das Militär auf, die Macht unverzüglich wieder an Zivilisten zu übertragen. Es sollten umgehend freie und faire Präsidentenwahlen abgehalten werden, forderte eine Sprecherin des US-Außenministeriums. "Die USA verurteilen den Versuch des burkinischen Militärs, den Menschen von Burkina Faso seinen Willen aufzuzwingen", sagte die Sprecherin.  

Die Afrikanische Union forderte die politischen Akteure des Landes auf, zusammenzuarbeiten, um möglichst schnell freie Wahlen abhalten zu können.

Die EU-Kommission rief alle Akteure und alle lokalen politischen Kräfte auf, "ihre Verantwortung zu übernehmen und die Regeln der Verfassung zu beachten". Dies gelte vor allem für die Organisation einer Übergangsregierung und das Durchführen freier Wahlen, sagte ein Sprecher der Kommission. 

Drei Staatschefs in 24 Stunden

Nach dem Rücktritt des umstrittenen Präsidenten Blaise Compaoré am Freitag hatten sich binnen 24 Stunden zwei verschiedene Militärs zum Staatsoberhaupt erklärt. Mittlerweile einigte sich die Militärführung auf den bisherigen Vize-Kommandeur der Präsidialgarde, Isaac Zida, als kommissarischen Staatschef. Der hatte am Samstag in einer Rundfunkansprache die Aussetzung der Verfassung und Wahlen innerhalb von drei Monaten angekündigt. 

Armeechef Traoré hatte Zidas Ankündigungen zunächst als unwirksam bezeichnet und war erst nach einem  Treffen mit dem in der Bevölkerung bis dahin wenig bekannten Oberst Zida zum Verzicht auf eigene Ansprüche bereit. Auch Traoré hatte zunächst selbst Anspruch auf die Staatsführung erhoben. Allerdings gab es in den Reihen der Opposition starken Widerstand gegen ihn, da Traoré als Gefolgsmann der alten Staatsführung gilt. 

Der bisherige Präsident Compaoré war am Freitag nach Protesten gegen seine geplante Amtszeitverlängerung zurückgetreten. Compaoré war vor fast 30 Jahren mit einem Putsch in der früheren französischen Kolonie Obervolta an die Macht gelangt. Er verließ Burkina Faso inzwischen und soll sich im Nachbarland Elfenbeinküste aufhalten.

Nach den Ausschreitungen und Massenprotesten gegen Compaoré blieb die Lage in Ouagadougou in der Nacht zum Samstag ruhig. Die Opposition hatte ihre Proteste gegen Compaoré in Anlehnung an den Arabischen Frühling hoffnungsvoll als "Schwarzen Frühling" gefeiert.

Das Auswärtige Amt warnt vor Reisen nach Burkina Faso

Die Bundesregierung hat eine Reisewarnung für Burkina Faso herausgegeben. Die Warnung gelte bis auf weiteres und besonders für die Hauptstadt Ouagadougou, teilte das Auswärtige Amt mit unter Verweis auf die unübersichtliche Lage im Land.

Eine Sprecherin des Amts sagte, die Bundesregierung verurteilte "in aller Form" die Übernahme der Staatsgewalt und die Außerkraftsetzung der verfassungsmäßigen Ordnung durch das Militär Burkina Fasos. Weiter erklärte eine Sprecherin des Auswärtigen Amts: "Das Militär muss die Macht unverzüglich an die verfassungsmäßigen Staatsorgane zurückgeben. Alle Verantwortlichen sind aufgefordert, mit Besonnenheit zu agieren und ihrer politischen Verantwortung gerecht zu werden."  

Von den 17 Millionen Einwohnern in Burkina Faso lebt die Hälfte weiterhin unter der absoluten Armutsschwelle. Das Land ist fast ausschließlich auf die Landwirtschaft angewiesen. Jugendarbeitslosigkeit und Analphabetismus sind weit verbreitet. Im Human Development Index 2013 rangiert das Binnenland weltweit auf Platz 181 von insgesamt 187 Ländern. Von dem in Statistiken ausgewiesenen Wirtschaftswachstum Burkina Fasos profitieren die wenigsten Menschen im Land.