Die Europäische Union will den Verbrauch von umweltschädlichen Plastiktüten reduzieren. Unterhändler der 28 Mitgliedsländer, des Europaparlaments und der Brüsseler Kommission haben sich auf einen Kompromiss geeinigt. Wie eine Sprecherin im Europaparlament mitteilte, soll der durchschnittliche Verbrauch von Tüten pro Jahr und pro Kopf von derzeit rund 200 bis zum Jahr 2019 auf etwa 90 verringert werden. Bis zum Jahr 2025 sollen jährlich nur noch rund 45 Tüten pro Verbraucher anfallen. Von der Neuregelung sind Einwegtüten betroffen, die oft umsonst an der Supermarktkasse oder im Schuhgeschäft erhältlich sind.

Ein Modell sieht vor, verbindliche Gebühren für Plastiktüten einzuführen, wie dies beispielsweise in Irland erfolgreich geschehen ist. Dort ging nach Angaben des Europaparlaments die Zahl der Einwegplastiktüten binnen wenigen Monate um etwa 90 Prozent zurück. Der Kompromiss muss allerdings noch vom Rat abgesegnet werden, in dem die 28 EU-Staaten vertreten sind. Weil die Brüsseler Kommission keine verbindlichen Zielvorgaben wollte, müssen die Staaten die Vorlage einstimmig billigen. Die Abstimmung darüber ist am Freitag geplant. Anschließend geht der Entwurf noch ins Europaparlament, wo er vom Plenum verabschiedet werden muss.

Von der Regelung ausgenommen sollen dünne Tüten sein, in die Obst oder Fleisch verpackt werden . Die Ausnahme wird vor allem damit begründet, dass ein Verbot noch schädlichere Verpackungen wie etwa Schalen aus Schaumstoff verbreiten könnte.

Nach Angaben des Europaparlaments werden in der EU jährlich rund hundert Milliarden Plastiktüten verwendet, etwa acht Milliarden davon gelangen durch achtloses Wegwerfen in die Weltmeere, wo sie Tiere töten oder über Fische in die Nahrungsmittelkette gelangen können.

Im Jahr 2010 lagen die Deutschen mit einem Verbrauch von rund 70 Tüten pro Kopf im Mittelfeld aller EU-Bürger, das Schlusslicht bildeten Polen und Portugiesen mit 450 Stück.