Die Empörung über die Straffreiheit für den weißen Polizisten Darren Wilson, der den schwarzen Teenager Michael Brown erschossen hat, erfasst weite Teile der USA. In gut 170 Städten von New York bis Los Angeles und San Francisco gingen in der Nacht Menschen auf die Straße. Sie demonstrierten gegen die als rassistisch bewertete Entscheidung von Geschworenen in Ferguson (Missouri), kein Gerichtsverfahren gegen Wilson zu eröffnen. 

Der Sender CNN berichtete, in vielen Städten hätten die Demonstranten den Verkehr lahmgelegt. Zu so schweren Krawallen wie in der Nacht zuvor in Ferguson kam es jedoch nicht.

In New York marschierten Hunderte Demonstranten von Manhattans Union Square zum Times Square und nach Harlem. Ein Teilnehmer sagte, er wolle nur helfen, Veränderungen anzumahnen. Er habe sich spontan dem Protestzug angeschlossen. "Manchmal werde ich aufgrund meiner Hautfarbe diskriminiert", sagte er.

In Atlanta, dem Geburtsort des Bürgerrechtlers Martin Luther King, blockierten Demonstranten eine Schnellstraße. "Es ist ein Hohn", sagte die Demonstrantin ShaCzar Brown. "Vor 70 Jahren war es erlaubt, Schwarze umzubringen", sagte sie mit Hinweis auf Lynchmorde in den US-Südstaaten. "Im Prinzip ist es das immer noch."

Demonstranten in Oakland in Kalifornien warfen Scheiben ein und plünderten Geschäfte, während in Los Angeles eine Schnellstraße blockiert wurde. Auch aus Großstädten wie Boston, Denver, Seattle, Washington und Dallas wurden Proteste gemeldet.

In Ferguson selbst kam es in der Nacht zu kleineren Zwischenfällen. Ein Polizeiwagen wurde angezündet und Demonstranten blockierten Straßenkreuzungen. Beamte hatten die Straßenzüge, wo es in der Vornacht zu Plünderungen gekommen war, abgeriegelt. Vor der Polizeizentrale skandierte eine Menschenmenge. "Wir sind nicht der Feind, wir wollen nur Gerechtigkeit."

Obama verurteilt Zerstörungen und Plünderungen

Präsident Barack Obama nannte es tragisch, dass in zu vielen Teilen der USA ein tiefes Misstrauen zwischen den Sicherheitskräften und der farbigen Bevölkerung bestehe. Das sei auch ein Erbe der Rassendiskriminierung. "Dieses Problem ist kein Ferguson-Problem, das ist ein amerikanisches Problem", sagte Obama. Die Ausschreitungen in Ferguson verurteilte er. "Ich habe keinerlei Sympathie für diejenigen, die ihre eigene Gemeinde zerstören", sagte Obama. "Das sind kriminelle Akte." 

Er habe Verständnis für das Gefühl vieler Menschen, dass Gesetze nicht immer einheitlich oder gerecht angewandt würden. Er habe aber noch nie erlebt, dass ein Gesetz Realität wurde, "nur weil ein Auto angezündet wurde", sagte Obama.