Das Strafgericht in Kairo hat am Samstag den Prozess gegen Ägyptens ehemaligen Langzeitherrscher Hosni Mubarak eingestellt. Damit gibt es gegen Mubarak kein Urteil wegen des Vorwurfs, im Frühjahr 2011 am Tod von mehr als 800 Demonstranten beteiligt gewesen zu sein. Die strafrechtlichen Vorwürfe wurden zurückgewiesen. Zugleich sprach das Gericht den 86-Jährigen vom Vorwurf frei, Staatsgelder veruntreut zu haben.

Ebenfalls freigesprochen wurden der frühere Innenminister Habib al-Adli, Mubaraks Söhne Gamal und Alaa sowie weitere Angeklagte. Nach dem Urteil brach im Gerichtssaal Jubel aus. Die Anklage hatte gegen Mubarak die Todesstrafe gefordert. 

Der Vorsitzende Richter Mahmud al-Raschidi erklärte, die Aufhebung der Anklagen wegen Korruption in den letzten Jahren seiner 29-jährigen Herrschaft bedeuteten nicht, dass Mubarak frei von jeglicher Schuld sei. "Gegen ihn zu urteilen, nachdem er alt geworden ist, wird Sache der Geschichte und des Richters der Richter, des Gerechten und der Gerechtigkeit sein", sagte Al-Raschidi unter Verweis auf Gott.

Al-Raschidi drohte jedem Gefängnis an, der die Anhörung stören sollte. Sie dauerte 45 Minuten. Ob Mubarak, der in einer fahrbaren Trage in den Gerichtssaal gebracht wurde, freikommt, war unklar. Im Mai war er in einem Korruptionsprozess zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Er ist offiziell seit April 2011 in Gewahrsam. Unklar war, ob die vergangenen dreieinhalb Jahre als verbüßte Haft angerechnet werden. Mubarak war aufgrund seiner angegriffenen Gesundheit fast die gesamte Zeit in Krankenhäusern. Derzeit lebt er in einem Kairoer Militärkrankenhaus.

Bei dem Richterspruch von Samstag handelt es sich um ein Urteil in einem Revisionsprozess. Mubarak war im Juni 2012 in einem ersten Verfahren zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Das Urteil wurde aber wegen Verfahrensmängeln aufgehoben. Die Staatsanwaltschaft kann das Urteil noch ein weiteres Mal anfechten.

Der 86-Jährige hatte auch im zweiten Prozess jede Schuld an dem Tod der Demonstranten zurückgewiesen. Vor dem Strafgericht sagte er aus, er habe im Frühjahr 2011 sein Amt aufgegeben, um ein Blutvergießen zu vermeiden. Laut einer vom Militär eingesetzten Richterkommission waren bei den Unruhen auf dem Tahrir-Platz mindestens 846 Menschen gestorben. Demnach war der Schießbefehl gegen die Demonstranten nur mit Mubaraks Zustimmung möglich.