Das also ist das Ergebnis von Wien: Die in Genf vor einem Jahr gefundene
Zwischenlösung wird erst einmal fortgesetzt. Der Iran wird auch weiterhin sein
Atomprogramm vorläufig entschärfen und dafür monatlich 700 Millionen
Dollar zurückerhalten, die auf eingefrorenen Konten ruhen. Währenddessen
wird weiter verhandelt. In wenigen Monaten soll eine Rahmenvereinbarung
über das Atomprogramm getroffen sein, und bis Juli müssen alle Details
unter Dach und Fach gebracht werden.

Während der Verhandlungen, die Mitte vergangener Woche begannen, drangen
fast keine Informationen nach draußen, was ein Zeichen dafür war, dass die
Beteiligten es ernst meinten. Die mehr als 500 aus aller Welt angereisten
Journalisten blieben darauf beschränkt, einander gegenseitig zu
interviewen. Und sie verfolgten minutiös, wer sich jeweils mit wem im
Wiener Palais Coburg traf. Bei sieben Außenministern plus der
EU-Beauftragten Catherine Ashton ergab das mathematisch 247 Möglichkeiten,
und man konnte leicht den Eindruck gewinnen, sie seien allesamt
ausgeschöpft worden.

Das Menuett der Meetings zeigte allerdings ein Muster: Die beiden
Hauptfiguren waren der iranische Außenminister Mohammad-Javad Zarif und
sein amerikanischer Amtskollege John Kerry. Er kam zugleich als
Abgesandter eines Präsidenten, der kurz zuvor im innenpolitischen Konflikt
um die Legalisierung von Einwanderern gezeigt hatte, dass er durchaus noch
handlungsfähig ist und kämpfen kann. Lame duck? Noch nicht.

Die USA führen mal wieder

Kerry war eindeutig der Verhandlungsführer der nichtiranischen Seite, er
war es auch, der in der übrigen Welt herumtelefonierte, um Israelis und
Saudis, Türken und Kanadier zu beruhigen. Amerika ist eben immer noch
Führungsmacht. Die Franzosen hatte Kerry gar mit einem Blitzbesuch beehrt,
um sicherzustellen, dass sie nicht wie vor einem Jahr in Genf die
Verhandlungen torpedierten. Frankreich ist zwar an Geschäften mit dem Iran
gelegen, namentlich an nuklearen, aber die Beziehungen zu den Saudis und
den Golfstaaten wiegen ökonomisch schwerer. Diese Staatengruppe wiederum
fürchtet ein Erstarken des Irans.

Verlassen konnte sich Kerry auf die Deutschen. Die Ankunft des deutschen
Außenministers am Verhandlungsort, dem Palais Coburg, begann zwar mit
einer Schrecksekunde – er blieb im Aufzug stecken –, ansonsten aber kam es
nicht zu deutschen Problemen. Überhaupt saßen Irans Unterhändler einer
Gruppe gegenüber, die einig war wie selten, und das trotz Ukraine-Krieg
und amerikanisch-chinesischer Rivalitäten. Namentlich Russland verhielt
sich konstruktiv, und es spielt ja auch eine Schlüsselrolle: Es bot an,
iranisches Uran zu Brennstäben zu verarbeiten und dadurch dessen
militärische Nutzung zu erschweren.

Zu 90 Prozent sei man sich schon einig, hieß es noch, bevor im Palais
Coburg die Säle geschrubbt wurden. Aber das war irreführend. Denn die
strittigen Punkte, so drang es aus einer Verhandlungsdelegation, "hingen
alle zusammen wie in einem Netz". Das freilich wies einen zentralen Knoten
auf: die Anzahl der Zentrifugen, die der Iran zur Anreicherung des
Nuklearbrennstoffs Uran benutzen darf, aus dem auch Sprengköpfe
hergestellt werden können. In den vergangenen Monaten hatte sich auf
nichtiranischer Seite die Position durchgesetzt, es dürften lediglich so
viele Zentrifugen sein, dass der Iran ein Jahr Zeit brauchen würde, um
waffenfähiges Material herzustellen. Das wären erheblich weniger als die
zurzeit 9.000 von den Iranern betriebenen vom Typus IR-1 (es kommen 10.000
hinzu, die stillstehen). Der Iran wiederum möchte weitaus mehr Zentrifugen
als bisher mit Urangas befüllen.