Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) hat nach eigenen Angaben eine weitere westliche Geisel enthauptet. "Dies ist Peter Edward Kassig, ein US-Bürger", sagte ein maskierter Mann in einem vom IS am Sonntag im Internet veröffentlichten Video. Es zeigte den Vermummten, einen blutigen abgeschlagenen Kopf zu seinen Füßen. Die Tat selbst wurde diesmal nicht gezeigt.

Nach Informationen der New York Times geht die US-Regierung davon aus, dass das Video echt und der 26-jährige Kassig tot ist. Die Geheimdienste hätten bereits zuvor entsprechende Informationen erhalten. Der britische Premierminister David Cameron äußerte sich schockiert. Die IS-Miliz habe einmal mehr ihre Verderbtheit bewiesen, erklärte er.

"Peter, der als Soldat der amerikanischen Armee gegen die Moslems im Irak gekämpft hat, hat nicht viel zu sagen", sagte der vermummte Mann in dem 15-minütigen Video in englischer Sprache mit britischem Akzent. "Seine früheren Mitgefangenen haben bereits in seinem Namen gesprochen." In dem Video wurde die Hinrichtung von mindestens 14 Männern gezeigt, die Piloten und Offiziere der Armee des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad gewesen sein sollen.

Kassig sei in Nordsyrien nahe der Grenze zur Türkei beerdigt worden, erklärte der maskierte Dschihadist weiter. "Hier verscharren wir den ersten amerikanischen Kreuzritter in Dabek." Den US-Truppen werde Ähnliches widerfahren, sagte er an US-Präsident Barack Obama gerichtet. Erneut machte die Terrorgruppe ihre Expansionsansprüche deutlich: auf Saudi-Arabien, Libyen oder auch Europa.

Deutliche Unterschiede zu vorherigen Videos

Das Video unterscheidet sich deutlich von den vorigen Enthauptungsvideos des IS, wie die New York Times berichtet. Die Ermordung Kassigs ist nicht zu sehen und er spricht auch keine Botschaft in die Kamera. Den maskierten IS-Kämpfer hat die New York Times als den Mann identifiziert, der in der britischen Presse "Jihadi John" genannt wird und über den erst am Samstag berichtet wurde, dass er bei einem amerikanischen Luftangriff verletzt worden sei. Demnach sagte der Londoner Dschihadist in dem Video, dass Kassig wegen seiner Tätigkeit als amerikanischer Soldat im Irak sterben müsse.

Kassig gründete nach seiner Zeit als US-Soldat in der Türkei eine Hilfsorganisation für die Opfer des syrischen Bürgerkriegs. Nach Angaben seiner Familie wurde der 26-Jährige Anfang Oktober 2013 verschleppt und konvertierte nach seiner Gefangennahme als Abdul-Rahman zum Islam – es gilt als wahrscheinlich, dass er damit sein Leben schützen wollte, weil Muslime keine Glaubensgenossen töten dürfen.  

Sollte sich das Video als echt erweisen, wäre es bereits das fünfte mit der Enthauptung eines westlichen Bürgers, das der "Islamische Staat" veröffentlichte. Die Extremisten brachten bereits die US-Journalisten James Foley und Steven Sotloff, den britischen Entwicklungshelfer David Haines und den Briten Alan Henning um, der im Dezember als Fahrer eines Ambulanzwagens mit einem Hilfskonvoi nach Syrien gekommen war. Die Extremisten haben auch den britischen Fotojournalisten John Cantlie in ihrer Gewalt.