Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) hat offenbar alle Schulen in den von ihr kontrollierten Gebieten der ostsyrischen Provinz Deir ez-Zor geschlossen. Das berichten Bewohner der Gebiete sowie die in Großbritannien ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. In den vom IS kontrollierten Gebieten soll in Kürze ein neuer Lehrplan mit Schwerpunkt religiöse Erziehung gelten. Das habe die islamistische Miliz auf einem Treffen mit Schuldirektoren bekannt gegeben.

Alle Lehrer, die weiter unterrichten wollten, müssten einen einmonatigen Kurs in Religionslehre absolvieren. IS-Vertreter arbeiteten an einem neuen Lehrplan, der die "ungläubige" Bildung ersetzen solle, teilte die Beobachtergruppe mit. Demnach würden die meisten Schulstunden für Religionsunterricht vorgesehen und nur wenige Stunden für Mathematik oder andere weltliche Fächer.

Im Internet kursiert ein Video, auf dem eine Protestaktion von rund zwei Dutzend Schülern mit ihren Lehrerinnen gegen die Schulschließung zu sehen ist. Die Kinder riefen: "Wir wollen zur Schule!". Proteste gebe es aber kaum, weil die Menschen zu viel Angst hätten zu demonstrieren, sagte ein Aktivist der Beobachtungsstelle in England.

Im benachbarten Irak hat die Armee nach eigenen Angaben die strategisch wichtige Stadt Baidschi aus der Hand des IS zum größten Teil zurückerobert. Die Islamisten hatten die Stadt im Juni eingenommen. Regierungstruppen hielten inzwischen "mehr als 70 Prozent" der Stadt, teilte das Militär mit. Über zahlreichen öffentlichen Gebäuden wehe wieder die irakische Flagge, um die weitere Rückeroberung der Stadt werde gekämpft.

Baidschi liegt an der Hauptstraße zwischen Tikrit und Mossul nahe der wichtigsten Erdölraffinerie des Landes. Die Rückeroberung der Stadt würde den Kampf um die Raffinerie für die Armee erleichtern. Sie wird seit Monaten gegen wiederholte Angriffe der Dschihadisten verteidigt.

USA schicken weitere 1.500 Soldaten in den Irak

Derweil wird die Lage für die gemäßigteren Rebellen in der strategisch wichtigen nordsyrischen Stadt Aleppo immer bedrohlicher. Die Viertel unter Kontrolle der Regimegegner liefen Gefahr, von der Außenwelt abgeschnitten zu werden, sagte ein Aktivist der Freien Syrischen Armee (FSA).

Aleppo gilt im syrischen Bürgerkrieg als einer der strategisch wichtigsten Kriegsschauplätze. Neben den Regierungstruppen von Assad ist auch der IS auf die Stadt vorgerückt. Fachleute gehen davon aus, dass sich die gemäßigten Rebellen von einer Niederlage dort kaum erholen könnten. Die USA wollen diese Kräfte eigentlich aufrüsten und trainieren, damit sie gegen den IS vorgehen.

Um die irakischen Sicherheitskräfte im Kampf gegen den IS zu beraten und auszubilden, schicken die USA 1.500 weitere Soldaten in den Irak. An Kampfhandlungen sollen sie aber nicht teilnehmen, teilte Pentagonsprecher John Kirby mit. Die Truppen sollten in den kommenden Monaten ins Land geschickt werden. Präsident Barack Obama habe den Schritt auf Empfehlung von Verteidigungsminister Chuck Hagel hin genehmigt. Zugleich bat Obama den Kongress, 5,6 Milliarden Dollar (4,5 Milliarden Euro) für den Einsatz gegen den IS freizugeben. Über das Land verteilt sollen laut Hagel zahlreiche Ausbildungslager entstehen, die dann auch von Verbündeten der USA mit eigenen Truppen unterstützt werden sollen.