In Katalonien haben sich laut der Regionalregierung bis 18 Uhr fast zwei Millionen Wähler an der symbolischen Abstimmung über die Unabhängigkeit der spanischen Region beteiligt. Die Zahl der Wahlberechtigten wird von der Regionalregierung auf 5,4 Millionen geschätzt. Jüngsten Umfragen zufolge befürwortet etwa die Hälfte die Unabhängigkeit.

Auch Bayern-Trainer Pep Guardiola wartete vor einem Wahllokal in Barcelona, bis er seinen Stimmzettel in die Urne werfen konnte. "Wenn so viele Menschen abstimmen wollen, gibt es keine Gesetze, die sie daran hindern können", sagte er. Guardiola war nach dem 4:0-Sieg seines Teams bei Eintracht Frankfurt eigens in seine katalanische Heimat geflogen, um an der inoffiziellen Befragung teilzunehmen.

Die Abstimmung über die Unabhängigkeit der Region im Nordosten Spaniens wird trotz eines gerichtlichen Verbots abgehalten. Die Stimmabgabe bei der nicht bindenden Befragung verlaufe ohne größere Zwischenfälle, teilte die katalanische Regionalregierung in Barcelona mit. Die mehr als 1.300 Wahllokale in der Region seien wie geplant geöffnet worden. Vor vielen von ihnen bildeten sich lange Warteschlangen. Für die symbolische Volksbefragung gibt es keine Wählerlisten, die Vorlage des Personalausweises reicht zur Teilnahme.

Staatsanwaltschaft ermittelt

Da Schulen und andere staatliche Einrichtungen als Wahllokale für das im Grunde illegale Referendum genutzt werden, leitete die Staatsanwaltschaft Ermittlungen ein und forderte bei der Polizei eine Liste der Verantwortlichen an. "Wenn die Staatsanwaltschaft einen Verantwortlichen sucht, braucht sie nur mich anzuschauen", sagte Kataloniens Regierungschef Artur Mas. "Ich und meine Regierung sind die Verantwortlichen." 

Das spanische Verfassungsgericht hatte die Volksbefragung aufgrund einer Verfassungsklage der spanischen Zentralregierung eigentlich untersagt. Die Regionalregierung hielt trotzdem an der Abstimmung fest. Madrid hatte angekündigt, die Befragung zu tolerieren unter der Bedingung, dass die Regionalregierung sich nicht an der Organisation beteilige und es keine Wählerliste geben würde.

Mehr als 40.000 freiwillige Helfer haben nun die Urnen aufgestellt und nahmen die Stimmzettel entgegen. Rund 5,5 Millionen Stimmberechtigte über 16 Jahren konnten sich gegen Vorlage ihrer Personalausweise an der Befragung beteiligen. Sie konnten zwei Fragen beantworten: "Wollen Sie, dass Katalonien einen Staat bildet? Wenn ja, soll dieser Staat unabhängig sein?"

Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy betonte, die Befragung werde keinerlei Auswirkungen haben. "Solange ich Regierungschef bin, wird die Verfassung eingehalten", bekräftigte er. "Niemand wird die Einheit Spaniens zerbrechen."

Hohe Wahlbeteiligung gilt als wichtiges Zeichen

Artur Mas betonte, ein Vorgehen gegen die Befragung wäre ein "Angriff auf die Demokratie und auf das Grundrecht der freien Meinungsäußerung". Seine Regionalregierung wollte die Auszählung der Stimmen vornehmen und das Ergebnis verkünden. Das Resultat wurde am Montag erwartet. In der Vergangenheit hatten an Befragungen dieser Art auf kommunaler Ebene überwiegend Katalanen teilgenommen, die ohnehin für eine Abspaltung der Region von Spanien waren. Deshalb richtete sich das Interesse vor allem auf die Beteiligung. Sollte sie sehr hoch ausfallen, würde dies die Position der Unabhängigkeitsbewegung stärken.

Wie die spanische Zeitung El Mundo meldete, hätten sogar in Australien 300 Katalanen an dem Votum teilgenommen. Zu spanischen Parlamentswahlen würden üblicherweise nur etwa 200 Spanier ihre Stimme in Sydney abgeben.

Die Katalanen hatten eigentlich – ähnlich wie die Schotten – ein bindendes Referendum über die Unabhängigkeit abhalten wollen. Von diesem Vorhaben rückten sie aber nach einem Verbot des spanischen Verfassungsgerichts ab. Die spanische Zentralregierung lehnt eine Volksabstimmung strikt ab. Sie weist darauf hin, dass die Einheit des Landes in der Verfassung festgeschrieben sei. Über eine Änderung des Grundgesetzes könne nur das spanische Volk insgesamt entscheiden.

Katalonien ist mit 7,5 Millionen Einwohnern die wirtschaftlich stärkste Region Spaniens. Sie verfügt über eine eigene Sprache und Kultur sowie über weitreichende Autonomierechte. Unter der Franco-Diktatur zwischen 1939 und 1975 war der Gebrauch des Katalanischen in der Öffentlichkeit unterdrückt worden. Jetzt ist die Sprache ebenso wie das Spanische Amtssprache in Katalonien.