Die EU-Staatsanwältin Maria Bamieh wurde von der Eulex-Mission supendiert. © Visar Kryeziu/AP/dpa

Aber ausgerechnet Bamieh als Enthüllerin hat unmittelbare Konsequenzen zu spüren bekommen. Vor zwei Wochen wurde sie suspendiert, was praktisch das Ende ihrer Karriere bei Eulex bedeutet. Sie wurde beschuldigt, vertrauliche Informationen an Journalisten weitergegeben zu haben. Bamieh streitet das ab, so wie der Journalist, der die ganze Sache aufgedeckt hat.

Eulex gibt offiziell keine Informationen zu der Sache heraus. Den Fall soll jetzt die Europäische Ombudsfrau Emily O'Reilly prüfen, die von der EU-Außenbeauftragten Federika Mogherini persönlich nach Priština geschickt worden ist.

Für Agron Bajrami, der seit über zehn Jahren Chefredakteur von Koha Ditore ist, ist die Sache klar. "Über Jahre gab es Gerüchte, warum in vielen Fällen Politiker wegen Korruption und Mord geschont wurden. Nun haben wir einen klaren Beweis, dass auch Eulex korrupt ist", sagt er. Der Chefredakteur sagt, die Leute von Eulex hätten Druck gemacht, den Artikel über den Skandal nicht zu veröffentlichen. "Sie haben unserem Journalisten gedroht, ein Strafverfahren gegen ihn einzuleiten. Allerdings wussten sie nicht, dass so etwas schon viele versucht haben, wenn wir über Korruption geschrieben haben", so Bajrami. Früher seien es UN-Mitarbeiter oder der amerikanische Botschafter gewesen. "Wir haben uns denen kein einziges Mal gebeugt."

Skandale internationaler Organisation

Die Eulex-Affäre ist nämlich nicht der erste Skandal um internationale Mitarbeiter, die im Kosovo für Recht und Ordnung sorgen sollten und sich dann selbst kriminell verhielten. So haben hohe Beamte der bis 2007 laufenden Unmik-Mission, die das Land im Auftrag der UN verwaltet hat, gegen Bestechungsgeld Stellen am Flughafen vergeben. Zu Anklagen kam es aber nie, sie alle schütze die Immunität als internationaler Helfer.

Auch die US-Amerikaner, die großen Einfluss im Kosovo haben, sollen sich das Land zu eigen gemacht haben. Zum Beispiel im Fall der Autobahn von Priština nach Albanien: Für die 137 Kilometer lange Strecke hat die Regierung des Kosovo über eine Milliarde Euro bezahlt – vier mal so viel, wie üblicherweise eine Autobahn in der Region kostet. Den Auftrag bekam dann das amerikanisch-türkische Konsortium Bechtel-Enka, für das der amerikanische Botschafter Christopher Dell selbst noch vor ein paar Jahren geworben hatte. Nach seiner Amtszeit bekam Dell einen Job bei Bechtel.

Im Gegensatz zum Eulex-Skandal, in dessen Folge das Vertrauen in Europa weiter sinkt, scheint das Verhalten der Amerikaner niemanden zu stören. Im Kosovo gelten die USA als Befreier, ohne ihre Hilfe wäre die Unabhängigkeit nach vorherrschender Meinung nicht möglich gewesen. Im Zentrum der Hauptstadt sind deshalb Straßen nach amerikanischen Politikern benannt, wie etwa der Bill-Clinton-Boulevard und die Madeleine-Albright- oder Bob-Dole-Straße.