In Ungarn kam es erneut zu Massendemonstrationen gegen die rechtskonservative Regierung von Ministerpräsident Viktor Orbán. In der Hauptstadt Budapest gingen mehr als 10.000 Menschen auf die Straße. Es war die größte der insgesamt 20 Kundgebungen im Land.

Am sogenannten Tag der Empörung prangerten die Demonstranten die Korruption unter der Regierung Orbán an. Zudem forderten sie den Rücktritt des Ministerpräsidenten sowie der Chefin der Steuerbehörde, Ildikó Vida. Die oberste Finanzbeamtin des Landes war von den USA wegen Korruptionsverdachts mit einem Einreiseverbot belegt worden. Sie wies die Vorwürfe zurück und lehnte einen Rücktritt ab.

Vor dem Parlament in Budapest riefen tausende Demonstranten "Orbán, hau ab". Auf den Transparenten standen Sätze wie: "Wir können nicht so viele Steuern zahlen, wie ihr stehlt".

Auch in London, Brüssel, Berlin und Amsterdam gab es kleinere Demonstrationen. Zu den Protesten hatten Initiativen in sozialen Netzwerken aufgerufen.

Die jüngsten Demonstrationen begannen im Oktober, nachdem die regierende Fidesz-Partei die Einführung einer Internetsteuer angekündigt hatte. Orbán hatte diese nach Protesten der Bevölkerung zurückgenommen.

Die rechte Fidesz-Partei hatte bei der Parlamentswahl im April erneut eine Mehrheit erhalten. Das Land ist jedoch zunehmend gespalten zwischen Anhängern und Gegnern der Partei, die seit 2010 regiert. Auch im Ausland, insbesondere in den USA, sieht sich Orbán wegen einer Reihe umstrittener Medien- und Justizreformen verstärkt Kritik ausgesetzt. Journalisten und Kritiker der Orbán-Regierung berichten immer wieder von fehlender Pressefreiheit und Einschüchterungsversuchen.