Unter der scharfen Kritik der proeuropäischen ukrainischen Führung haben die Separatisten in der Ostukraine erstmals eigene Parlamente wählen lassen. In den selbst ernannten Volksrepubliken Luhansk und Donezk stimmten die Menschen am Sonntag auch über Republikchefs ab. Erwartungsgemäß wurde in Donezk Alexander Sachartschenko als Republikchef bestätigt, in der benachbarten und ebenfalls nicht anerkannten Volksrepublik Lugansk gewann Igor Plotnizki. Das Ergebnis wurde vor Auszählung der Stimmen am Sonntagabend mitgeteilt. Der prowestliche ukrainische Präsident Petro Poroschenko erklärte die Wahlen am Abend für ungültig. 

Auch die neue EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini sagte die Abstimmung sei "illegal und rechtswidrig". Sie halte die Wahlen für ein neues Hindernis auf dem Weg zum Frieden in der Ukraine, teilte Mogherini am Sonntagabend mit. "Die Europäische Union wird die Wahl nicht anerkennen". Die EU werde weiter daran arbeiten, die Krise in der Ukraine zu lösen, sagte die EU-Außenbeauftragte und rief alle Parteien auf, die Unabhängigkeit und Einheit des Landes zu respektieren.

In der Ukraine eröffnete der nationale Sicherheitsdienst SBU ein Ermittlungsverfahren wegen illegaler "Machtübernahme". Die selbst ernannten Wahlleitungen sprachen nach Schließung der meisten der 400 Wahllokale am Abend von einer hohen Beteiligung.

Führende russische Politiker und Separatisten haben die umstrittenen Wahlen für gültig erklärt. Die Abstimmungen seien nach internationalen Standards abgelaufen, sagte der prominente russische Außenpolitiker Leonid Sluzki am Sonntag. Moskaus Außenminister Sergej Lawrow hatte schon Anfang voriger Woche angekündigt, dass Russland die Wahl anerkenne. Poroschenko sprach am Sonntag von einer Farce. Die Wahlen hätten im Angesicht von Panzern und Maschinengewehren stattgefunden. Sie verstießen zudem gegen das Abkommen von Minsk, das auch Russland unterzeichnet habe. Russland forderte Poroschenko zu einer Verurteilung der Wahlen im Osten seines Landes auf.

Separatisten: Großer Andrang auf Wahllokale

In einigen Orten der Region Luhansk lief die Abstimmung zwei Stunden länger als ursprünglich geplant. Die Separatisten begründeten dies mit dem großen Andrang. Die bewaffneten prorussischen Separatisten und die Polizei patrouillierten während der Wahl verstärkt. Nicht überall öffneten die Wahllokale, weil es in einigen Orten zu neuen Kämpfen zwischen Militär und Aufständischen kam, wie Medien berichteten.

Endgültige Ergebnisse der Wahl werden an diesem Montag erwartet.

Zuvor hatte die ukrainische Armee intensive Truppenbewegungen aus Russland in die von Separatisten kontrollierten ostukrainischen Regionen Luhansk und Donezk gemeldet. "Die intensive Verlegung von Militärtechnik und Soldaten des Gegners vom Territorium der Russischen Föderation setzt sich fort", sagte der ukrainische Militärsprecher Andrej Lyssenko örtlichen Medien. Die Truppen würden über die russisch-ukrainische Grenze in das Separatistengebiet transportiert.

Im ukrainischen Fernsehen waren am Sonntag Aufnahmen zu sehen, die Dutzende ungekennzeichnete Militärtransporter zeigten. Diese Transporter, so Lyssenko, seien Teil einer "russischen Kolonne auf dem Weg nach Donezk". 

Der Journalist Roland Oliphant von der britischen Tageszeitung The Telegraph hatte am Samstag auf Twitter geschrieben, er habe zusammen mit einem Kollegen "62 grüne Kamas-Lastwagen ohne Kennzeichen" auf dem Weg nach Donezk beobachtet. Drei von ihnen hätten Grad-Raketenwerfer transportiert.

Die Separatisten in den ostukrainischen Regionen Luhansk und Donezk hatten für Sonntag zu Parlaments- und Präsidentschaftswahlen aufgerufen, die von Kiew und dem Westen als unrechtmäßig abgelehnt werden. Die ukrainischen Behörden leiteten Ermittlungen wegen illegaler "Machtübernahme" ein.

Die ukrainische Regierung in Kiew und viele westliche Staaten werfen Russland vor, die Separatisten seit Monaten militärisch zu unterstützen. Moskau weist dies zurück und will die Wahlen trotz internationaler Kritik anerkennen.