Der Vorsitzende des Deutsch-Russischen Forums, Matthias Platzeck (SPD), hat gefordert, die Annexion der Krim durch Russland zu legalisieren. "Die Annexion der Krim muss nachträglich völkerrechtlich geregelt werden, sodass sie für alle hinnehmbar ist", sagte Brandenburgs früherer Ministerpräsident der Passauer Neuen Presse. "Da gibt es verschiedene Möglichkeiten. Dazu gehören finanzielle Leistungen, eine Wiederholung des Referendums unter Kontrolle der OSZE und Weiteres. Das müssen Kiew und Moskau aushandeln", sagte Platzeck. 

Auch die von prorussischen Separatisten kontrollierten Regionen in der Ostukraine würden wohl nicht zum ukrainischen Staat zurückkehren. "Es ist momentan kaum vorstellbar, dass Donezk und Luhansk nach allem, was passiert ist, einfach wieder in den ukrainischen Staatsverband zurückkehren", sagte der frühere SPD-Vorsitzende. 

Platzeck fordert den Westen auf, Russlands Präsidenten Wladimir Putin gewähren zu lassen. "Der Klügere gibt auch mal nach", sagte Platzeck demnach. "Was käme denn nach Putin, wenn der russische Präsident weg wäre? Sicher kein proeuropäischer Nachfolger, eher ein noch nationalistischerer Präsident. Wenn Russland als zweitgrößte Nuklearmacht der Welt aber politisch instabil würde, hätte das unabsehbare Folgen. Das wäre brandgefährlich!", sagte Platzeck. Er fordert: "Wir müssen also eine Lösung finden, bei der Putin nicht als Verlierer vom Feld geht."

Merkel ändert Verhalten gegenüber Putin

Erst am Wochenende hat die Bundesregierung offenbar eine neue Haltung gegenüber Russland in der Krise eingenommen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) warnte vor einem Flächenbrand und ging auf Konfrontationskurs zum russischen Präsidenten. "Das Verhalten Russlands stellt nach den Schrecken zweier Weltkriege und dem Ende des Kalten Krieges die europäische Friedensordnung insgesamt infrage", sagte sie. Konkret berge Putins Politik auch für Georgien, Moldau und Serbien besondere Risiken, machte Merkel in Sydney deutlich.  

Die Kanzlerin nutzte eine außenpolitische Rede während ihres Australien-Besuchs für die unmissverständliche Kritik an Putin, den sie am Rande des G-20-Gipfels unter vier Augen gesprochen hatte. Putin verweigere eine Konfliktlösung im gegenseitigen Respekt und mit demokratischen und rechtsstaatlichen Mitteln, beklagte Merkel. Er setze auf das angebliche Recht des Stärkeren und missachte die Stärke des Rechts. Dennoch werde die Europäische Union nichts unversucht lassen, zu einer diplomatischen Lösung zu kommen.