3. Propaganda-Klassiker

Zum Abschluss noch ein kleines Beispiel. "Putin-Interview und Poroschenkos 'totaler Krieg'" lautet die Überschrift der Meldung. Die verkürzte Darstellung, nach der der russische Präsident für Dialog ist, der ukrainische Präsident hingegen für Gewalt und auf seine eigene Bevölkerung schießen lässt, soll hier nicht weiter thematisiert werden. In welche Richtung es geht, illustriert ein Tweet, den die Redaktion in den Text eingebunden hat, weil er so etwas wie ein Klassiker der russischen Propaganda ist.

Auf einem Bild ist ein weinendes Mädchen mit einer Puppe im Arm zu sehen, hinter ihm liegt angeblich die tote Mutter, die von ukrainischen Soldaten getötet wurde. In dieser Version steht darunter: "Das ist Demokratie, Baby – die ukrainische Armee tötet die Menschen des Donbass", und der Absender schreibt dazu: "Diese Situation haben wir dem Westen zu verdanken! Sie unterstützen die Faschisten in Kiew." Tatsächlich stammt das Foto von den Dreharbeiten zu dem russisch-belarussischen Kriegsfilm Brestskaja krepost (Sturm auf Festung Brest), der Ende 2010 in russischen Kinos lief.

Für diese Art von Journalismus ist also das Jahresbudget von RT für 2015 um 41 Prozent auf mehr als 265 Millionen Euro erhöht worden. Für diese Art von Journalismus nutzt der Kreml gern die Freiheit der Presse, die im eigenen Land nicht mehr existiert. Dieser Journalismus soll also die Lücke füllen, die westliche Medien vermeintlich lassen, soll den "fehlenden Teil zum Gesamtbild" zeigen. Ob dieser Part gebraucht wird, kann jeder selbst entscheiden.

Hinweis: Nach Kritik an der Formulierung, Ken Jebsen sei wegen antisemitischer Äußerungen beim RBB gekündigt worden, haben wir die entsprechende Stelle präzisiert. Die Redaktion