Ersten Hochrechnungen zufolge konnte in Rumänien keiner der Präsidentschaftskandidaten eine absolute Mehrheit erreichen, die für den Sieg notwendig gewesen wäre. Prognosen deuteten darauf hin, dass der Amtsträger in einer Stichwahl zwischen dem bisherigen Ministerpräsidenten Victor Ponta und dem Bürgermeister der Stadt Sibiu, Klaus Johannis ermittelt wird. Die zweite Wahlrunde für die Nachfolge des rumänischen Präsidenten Traian Basescu soll voraussichtlich am 16. November stattfinden.

Ponta bekam den ersten Hochrechnungen zufolge 38 bis 40 Prozent der Stimmen, Johannis 31 bis 32 Prozent. Die ersten offiziellen Ergebnisse werden am Montagmorgen erwartet.

Ministerpräsident Ponta ist ein ehemaliger Staatsanwalt, dessen Popularität trotz Korruptionsermittlungen gegen ranghohe Mitglieder seiner Sozialdemokratischen Partei offenbar keinen schweren Schaden genommen hat. Er hat neben niedrigeren Steuern auch höhere Renten angekündigt. Zudem versprach er, die Beziehungen zur EU und China zu verbessern.

Johannis, der Bürgermeister von Sibiu, ist ein Vertreter der deutschen Minderheit im Land. Von seinen Gegnern wird er nur "der Deutsche" genannt. Der 55-Jährige forderte nach der Wahl alle Rumänen, die nicht sämtliche Machtbefugnisse einer Partei überlassen wollten auf, bei der Stichwahl für ihn zu stimmen. Johannis sagte, er sei zuversichtlich, das Stechen für sich zu entscheiden.

"Ich denke, ab diesem Winter werden wir ein wahrhaft demokratisches Land haben", sagte Ponta nach der Stimmabgabe am Sonntag. "Ein europäisches Land. Nach zehn Jahren des Kriegs und der Zerstörung ist es Zeit für einen Wiederaufbau", erklärte er in Anspielung auf seine Rivalitäten mit dem scheidenden Präsidenten Basescu.

Basescu, der für seine direkten und häufig kritischen Kommentare über Politiker und das Justizsystem Rumäniens bekannt ist, erklärte: "Wir brauchen einen Präsidenten, der die Rechtsstaatlichkeit festigen wird". Der bisherige Staatschef scheidet im Dezember nach zehn Jahren aus dem Amt.

Das Amt des Staatspräsidenten ist in Rumänien eher repräsentativ. Er ist für die Außen- und Verteidigungspolitik zuständig und ernennt die Chefs der beiden Geheimdienste, ranghohe Staatsanwälte sowie Botschafter. Einfluss und Prestige des Amtes reichen jedoch weit über die festgeschriebenen Befugnisse hinaus.

Einige Wähler sagten im Vorfeld der Wahlen, sie wünschten sich einen Staatschef, der ein gutes Image des Landes mit seinen 19 Millionen Einwohnern präsentieren würde.