Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier und seinem russischen Kollegen Sergei Lawrow in Moskau © Sergei Karpukhin/Reuters

Trotz anhaltender Differenzen über den Umgang mit der Ukraine-Krise bemühen sich Deutschland und Russland um eine Annäherung. Während seines Besuchs in Moskau traf Außenminister Frank-Walter Steinmeier mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow zusammen. Steinmeier mahnte zu gemeinsamen Anstrengungen bei anderen Krisenherden der internationalen Politik. Es sei auch an der Zeit, "jenseits von Ukraine zu denken", sagte er. "Wir haben mit ein paar anderen Bedrohungen weltweit fertig zu werden." Als Beispiel nannte er die Atomverhandlungen mit dem Iran und den Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat". Er warnte zudem erneut vor einer "neuen Spaltung Europas".

Kremlchef Wladimir Putin lud den SPD-Politiker am Abend überraschend zu einem Treffen ein. Aus deutschen Delegationskreisen hieß es nach dem etwa 75-minütigen Gespräch im Kreml, die Unterredung sei "ernsthaft und offen" gewesen. Der Meinungsaustausch habe sich um "Wege aus der Ukraine-Krise, die neue Perspektiven der Kooperation eröffnen könnten", gedreht.  

Steinmeier und der russische Außenminister Sergej Lawrow hatten zuvor während einer gemeinsamen Pressekonferenz deutlich gemacht, wie unterschiedlich sie den blutigen Konflikt im Osten der Ukraine bewerten. Steinmeier sprach von einer "wirklich ernsthaften Krise für die europäische Friedensordnung". 

Russland ist nach Lawrows Worten bereit, den sogenannten Minsk-Prozess "ohne Vorbedingungen" fortzusetzen. Zugleich beschuldigte er jedoch die Führung in Kiew, die Vereinbarungen zu torpedieren. Über das deutsch-russische Verhältnis sagte der Minister: "Trotz aller Unterschiede, wie wir die Lage in der Ukraine beurteilen, ist wichtig, dass der Dialog zwischen uns nicht aufhört."

Vor seinem Besuch in Moskau hatte Steinmeier während eines Treffens mit dem ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko in Kiew vor einer "militärischen Großkonfrontation" gewarnt. Steinmeier forderte alle Konfliktparteien auf, die bereits im September geschlossenen Waffenstillstandsvereinbarungen von Minsk einzuhalten. So sei es notwendig, die Gefangenen auszutauschen, die Grenzregion der Ukraine und Russlands zu überwachen und zu demilitarisieren.