In der ostukrainischen Stadt Donezk hat es die heftigsten Gefechte seit der Einigung auf eine Waffenruhe Anfang September gegeben. In unmittelbarer Nähe zum Stadtzentrum war in der Nacht zum Sonntag Artilleriefeuer zu hören.  

Die Kämpfe dauerten bis zum Morgen an, waren in der Frühe etwas weniger intensiv. Donezk wird von prorussischen Separatisten gehalten, ukrainische Truppen versuchen seit Monaten, die Stadt zurückzuerobern.   

Nach Angaben des Stadtrates wurden einige Wohngebäude beschädigt, die Feuerwehr sei im Einsatz. Berichte über Opfer lagen nicht vor. Anwohner berichteten zudem von Gefechten am Flughafen. Dort ist es seit Mitte April immer wieder zu Schusswechseln gekommen.

Am 5. September hatten die Regierung und die Separatisten einen Waffenstillstand ausgehandelt. Besonders in der vergangenen Woche gab es jedoch wiederholt Zwischenfälle. Beide Seiten machen sich gegenseitig für die Gewalt verantwortlich. In dem Konflikt sind seit Mitte April mehr als 4.000 Menschen getötet worden.

Hinweise auf russische Einmischung

Seit Tagen mehren sich zudem die Hinweise auf eine direkte russische Einmischung in den Konflikt. Die Regierung in Kiew hatte am Freitag gemeldet, dass russische Panzer und Geschütze die Grenze zur Ukraine überquert hätten. Allerdings stellten die USA und die Nato klar, dass keine unabhängige Bestätigung für diesen Vorwurf vorliege. Am Samstag entdeckten AFP-Reporter in der Gegend von Donezk drei Konvois mit insgesamt 80 nicht gekennzeichneten Lastwagen.

OSZE-Beobachter berichteten von Konvois mit Panzern, Truppentransportern und Haubitzen nahe der Städte Donezk und Makijiwka. Der Schweizer Außenminister und amtierende OSZE-Präsident Didier Burkhalter zeigte sich "sehr besorgt" über ein mögliches Wiederaufflackern der Gewalt in der Ostukraine. Er rief die Konfliktparteien auf, alles zu tun, um die vereinbarte Waffenruhe zu stabilisieren.

Der frühere sowjetischen Staats- und Parteichefs Michail Gorbatschow hatte am Samstag davor gewarnt, dass sich die Welt "an der Schwelle zu einem neuen Kalten Krieg" befinde. Gorbatschow warf dem Westen und der Nato im Schweizer Rundfunksender RTS vor, im Zuge des Ukraine-Konflikts "neue Mauern" errichten zu wollen.