Soldaten der ukrainischen Armee in der Region um Donezk © Alexander Khudoteply/AFP/Getty Images

Vor den von Separatisten geplanten Parlaments- und Präsidentschaftswahlen in der Ostukraine gehen die Kämpfe in dem Gebiet unvermindert weiter. Nach Angaben des Sicherheitsrats in Kiew starben bei erneuten Gefechten zwischen Regierungseinheiten und Aufständischen mindestens sechs Armeeangehörige, zehn weitere Soldaten wurden verletzt. Wie die Vereinten Nationen berichten, kamen in den vergangenen zehn Tagen mehr als 300 Menschen in gewaltsamen Konflikten zwischen Separatisten und der ukrainischen Armee ums Leben. Seit Anfang September gilt eigentlich eine Waffenruhe zwischen der Armee und den Separatisten, doch immer wieder wurde die Vereinbarung durch erneute Gefechte gebrochen.

Die UN schreiben in ihrem Bericht, die Zahl der seit Beginn des Ukraine-Konflikts im April getöteten Menschen sei auf 4.035 gestiegen. Darin sind auch jene 298 Menschen inbegriffen, die im Juli beim Absturz des Fluges MH17 über der Ostukraine starben. Nach UN-Angaben wurden durch den Konflikt 930.000 Menschen aus ihren Wohnorten in den Regionen Donezk und Luhansk vertrieben. Fast 490.000 Flüchtlinge suchten demnach Schutz im Ausland, die meisten davon im benachbarten Russland.

Der UN-Bericht wurde kurz vor den geplanten Parlaments- und Präsidentschaftswahlen in Donezk und Luhansk veröffentlicht. Diese seien "ein Hindernis für die Friedensverhandlungen und werden sich negativ auf die humanitäre Lage in den Konfliktgebieten auswirken", teilten die UN mit. Zudem wurde die "einseitige" Entscheidung Russlands kritisiert, einen neuen Konvoi mit Hilfsmitteln in den Osten der Ukraine zu entsenden.

Die Bundesregierung warnte Russland erneut vor einer Anerkennung der Wahlen in den Rebellengebieten. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) rief den Kreml dazu auf, sein Bekenntnis zur Einheit der Ukraine durch Taten zu belegen. "Letztlich hat es Russland in der Hand zu entscheiden, welche Beziehungen es mit uns haben möchte", sagte Steinmeier der Neuen Osnabrücker Zeitung am Wochenende. Moskau müsse seine Einflussmöglichkeiten nutzen, um zur friedlichen Lösung des Ukraine-Konflikts beizutragen. Dies gelte "an diesem Wochenende besonders beim Umgang mit den Abstimmungen, die von den Separatisten in der Ostukraine abgehalten werden sollen", sagte Steinmeier.

Russland plant, Wahlergebnis in der Ostukaine anzuerkennen

Moskau gab im Vorfeld bekannt, das Wahlergebnis ungeachtet der internationalen Kritik anzuerkennen. Aus Sicht des Westens und der Regierung in Kiew untergräbt Russland damit den Friedensprozess, der am 5. September mit der Waffenruhe begann. Im Westen hält man den Urnengang für verfassungswidrig. Die US-Regierung bekräftigte ebenfalls ihre Kritik. Die Wahl dürfe für Moskau kein "Vorwand" sein, weitere Truppen in das Nachbarland zu entsenden oder den Separatisten Waffen zu liefern, hieß es aus dem Weißen Haus. Der Westen und Kiew werfen Russland vor, die Separatisten seit Monaten militärisch zu unterstützen. Die russische Regierung weist diese Vorwürfe jedoch zurück.

Die Separatisten haben am Samstag trotz der internationalen Kritik letzte Vorbereitungen zur Wahl getroffen. Die Abstimmung am Sonntag erfolge "auf höchstem Niveau", sagte Separatistenführer Alexander Sachartschenko in Donezk. Für die Abstimmung in den selbsternannten "Volksrepubliken" Donezk und Luhansk sei "alles bereit".

Kürzlich drohten die prorussischen Streitkräfte mit der Einnahme der strategisch bedeutenden Hafenstadt Mariupol. Auch in anderen Gebieten wurde von heftigen Gefechten berichtet, so zum Beispiel am Flughafen von Donezk.

Das US-Außenministerium begrüßte derweil das Abkommen zwischen der Ukraine und Russland zur Beilegung des Gasstreits. Dies sei "eine positive Etappe", erklärte Ministeriumssprecherin Jennifer Psaki. Russland und die Ukraine hatten am Donnerstag ein unter EU-Vermittlung zustande gekommenes Abkommen unterzeichnet, das die Bezahlung ukrainischer Schulden sowie russische Gaslieferungen bis mindestens März vorsieht.