Separatistenkämpfer auf einem Laster in Donezk im Osten der Ukraine © Maxim Zmeyev/Reuters

Der Konflikt im Osten der Ukraine ist wieder ein Krieg. Anfang September hatte der in Minsk ausgehandelte Waffenstillstand die Illusion von Entspannung geschaffen. Doch die täglich eskalierenden Kämpfe zwischen Separatistenmilizen und Kiewer Regierungstruppen immer nur als Verletzungen der damals getroffenen Vereinbarungen zu beschreiben, lässt sie harmloser erscheinen als sie sind.

Zu leicht ist es, die intensiven Gefechte um den Donezker Flughafen oder die Angriffe auf ukrainische Checkpoints vor Mariupol und viele weitere Scharmützel als Zwischenfälle abzutun, während eigentlich die Waffen ruhen. Sie tun es nicht.

Die Grenze zu Russland ist weit offen; selbst an den wenigen Orten, wo die Beobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) im Einsatz sein können, gibt es regen Verkehr in Militärmontur. Und im Osten der Ukraine herrschen Stellvertreter des Kreml, die nicht verstecken, dass sie ihre selbst ernannten Volksrepubliken vergrößern wollen.

Die "umfassende Invasion" ist längst da

Die Separatistenmilizen ziehen schwere Geschütze und Kämpfer zusammen, es ist nicht nur die Kiewer Regierung, die dies behauptet: Journalisten haben zuletzt mehrfach große Konvois gesichtet, und die OSZE-Beobachter berichten von Truppenbewegungen und Waffentransporten in erschreckendem Umfang.

Panzer, Haubitzen, Raketensysteme sind mittlerweile in derart großer Zahl dokumentiert, dass niemand mehr den Beteuerungen der Separatisten Glauben schenken kann, das sei alles im Kampf gegen ukrainische Einheiten erbeutet worden. Waffen und Soldaten finden aus Russland ihren Weg zu den moskautreuen Milizen, das ist längst bekannt.

Wenn der ukrainische UN-Botschafter Juri Sergejew also vor einer "umfassenden Invasion" Russlands warnt, stellt er damit eigentlich nur fest, was bereits geschehen ist.

Alles bewegt sich Richtung Westen – dorthin, wo die nicht markierte Grenze verläuft, die das Territorium der Rebellen von der verbleibenden Ukraine trennt. Man könnte auch von der Front sprechen, wenn man dies als Vorbereitung auf eine Offensive wertet. Auf die sich im Übrigen auch die ukrainische Armee vorbereitet und ihrerseits Einheiten verlegt und verstärkt.

So bedrohlich die Lage ist, so falsch wäre es, die in Minsk formulierten Zusagen vollends vom Tisch zu fegen und nur noch die Waffen sprechen zu lassen.