Die Ukraine erhebt neue Vorwürfe gegen Russland: Die Regierung in Moskau habe Waffen, Truppen und Munition in die Rebellengebiete im Osten des Landes entsandt. Mindestens 32 Panzer und 16 Geschützsysteme hätten die Grenze in die Ukraine überquert, sagte der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates, Andrei Lysenko. Außerdem seien 30 Lastwagen mit Soldaten und Munition auf ukrainisches Gebiet vorgedrungen.

"Die Verlagerung von Militärausrüstung und russischen Söldnern an die Frontlinien geht weiter", sagte Lysenko. Seiner Aussage nach fuhren die Lastwagen Nahe der Region Luhansk über die Grenze. Auch den von Separatisten kontrollierten Grenzübergang Iswarine habe eine Kolonne mit Lastwagen und drei mobilen Radarstationen passiert. Konkrete Beweise dafür legte Lysenko nicht vor.

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko schickte zusätzliche Soldaten in den Osten des Landes, um auf mögliche Angriffe zu reagieren. In einem Telefonat mit Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte Poroschenko nach Auskunft seines Büros, der Waffenstillstand werde zunehmend gebrochen. Das könne zu einer neuen Eskalation führen. Merkel zeigte sich nach Angaben eines Sprechers besorgt über die Berichte über russische Truppenbewegungen.

Bereits in den vergangenen Tagen hatte die Ukraine ähnliche Vorwürfe erhoben: Am Donnerstag hatte der ukrainische Sicherheitsrat mitgeteilt, Russland habe 60 Militärfahrzeuge nahe der Grenze in der Region Rostow stationiert. Darunter seien 50 Panzer vom Typ T-64.  

Viele Tote trotz Waffenruhe

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg hatte bestätigt, dass sich russische Truppen der Grenze nähern. Inzwischen prüft die Nato die Meldungen über den russischen Grenzübetritt. "Sollten sich diese Berichte bestätigen, wäre es ein weiterer Beleg für Russlands Aggression und direkte Beteiligung an der Destabilisierung der Ukraine", hieß es aus Nato-Kreisen. Generalsekretär Stoltenberg warf Russland zudem vor, die Separatisten auszubilden, die im Osten der Ukraine kämpfen. Diese würden mit Ausrüstung versorgt und im Kampf von russischen Spezialeinheiten unterstützt.

Russland sicherte zu, sich an das Minsker Abkommen zu halten, das den Konflikt entschärfen sollte. Er müsse weitere Gespräche unter Beteiligung von Regierungskräften und Separatisten geben, sagte der außenpolitische Berater von Präsident Wladimir Putin, Juri Uschakow.

Trotz der vor zwei Monaten mit dem Abkommen vereinbarten Waffenruhe kommt es immer wieder zu Gefechten zwischen ukrainischen Soldaten und Separatisten. Nach Aussage von Militärsprecher Lysenko sind in den vergangenen 24 Stunden bei Gefechten fünf ukrainische Soldaten getötet und 16 weitere verletzt worden.