Die militanten Aufständischen in der Ostukraine haben die Zentralregierung in Kiew vor einem Scheitern des Friedensprozesses gewarnt. Die prowestliche Führung habe "auf Zeit gespielt und die Menschen im Donbass zu lange im Unklaren gelassen", sagte Separatistenführer Denis Puschilin dem russischen Fernsehsender Rossija-24. Die Aufständischen hätten daher handeln und selbst Regionalwahlen organisieren müssen. 

Die Drohung von Präsident Petro Poroschenko, ein Gesetz über die Teilautonomie der Krisenregionen wieder aufzuheben, bezeichnete Puschilin als "hysterischen Anfall" des Staatschefs. "Das wäre nichts Schlimmes, weil das Gesetz sowieso nicht funktioniert", sagte er.

Am Sonntag hatten die prorussischen Separatisten in den nicht anerkannten Volksrepubliken Donezk und Luhansk unter anderem Republikchefs wählen lassen. Diese sollten ihr Amt am heutigen Dienstag antreten. Das Ergebnis der Wahlen wird von der USA und der EU als illegitim bezeichnet, von Russland aber anerkannt. 

Poroschenko wollte mit dem Sicherheitsrat in Kiew über die mögliche Rücknahme eines Gesetzes beraten, das den Separatisten unter anderem für drei Jahre eine Teilautonomie sowie eine Amnestie gewährt. Die "Banditen und Terroristen" hätten mit der Durchführung von "Pseudowahlen" das Gesetz torpediert und die Lage im Donbass erheblich verschärft, sagte Poroschenko im ukrainischen Fernsehen.

Der Regierung in Kiew kündigte weiter ein entschlossenes Vorgehen gegen die Separatisten an. "Tatsächlich sind einige Regionen der Ostukraine unter Kontrolle von prorussischen Terroristen und russischen Truppen. Das sind aber ukrainische Regionen und wir werden sie uns zurückholen", sagte der ukrainische Außenminister Pawlo Klimkinin der Bild-Zeitung zufolge. Zugleich forderte er den Westen auf, die Sanktionen zu verschärfen. Der in Minsk vereinbarte Friedensprozess sei durch die Abstimmung in der Ostukraine ins Wanken geraten.