Die knapp zwei Monate alte Waffenruhe in der Ostukraine droht nach Einschätzung internationaler Organisationen ganz zusammenzubrechen. "Wir sind tief besorgt, dass die schweren Kämpfe der Vergangenheit jederzeit wieder ausbrechen könnten. Das wäre eine Katastrophe für die Ukraine", sagte Vize-Untergeneralsekretär Jens Anders Toyberg-Frandzen vor dem UN-Sicherheitsrat in New York. "Jeden Tag sterben Menschen, manchmal sogar Schulkinder. Die Situation könnte instabiler kaum sein."

Verantwortung würden alle tragen. "Keine Seite ist ohne Schuld. Wir sehen die Verantwortung aber vor allem bei den Separatisten in der Ostukraine", sagte der Däne. Die "sogenannten Wahlen" der Rebellen in der Ostukraine und Berichte über die Lieferung schwerer Waffen aus Russland seien das größte Problem zur Lösung des Konflikts.

Die Waffenruhe gebe es "mehr und mehr nur noch auf dem Papier", sagte der Generalsekretär der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), Lamberto Zannier, in Brüssel. Die Separatisten haben nach Einschätzung der OSZE zuletzt deutliche Geländegewinne erzielt. "Wenn man sich anschaut, wo die Positionen beider Seiten im September waren und wenn man das mit dem vergleicht, wo sie jetzt sind, dann sieht man, dass sich die Linie in Richtung Westen verschoben hat", sagte er. In einigen Gebieten habe sich die Linie um Dutzende Kilometer verschoben.

Die Sprecherin des US-Außenministeriums, Jen Psaki, sprach von "fortgesetzten, andauernden und eklatanten Verletzungen des Protokolls von Minsk durch Russland und seine Stellvertreter". Im September war in Minsk eine Waffenstillstandsvereinbarung geschlossen worden.

Psaki bezog sich mit ihrer Kritik auf Nato-Berichte über massive Truppenbewegungen Russlands. Kolonnen mit russischen Panzern, Artillerie, Luftabwehrsystemen und Kampftruppen bewegten sich in der ostukrainischen Unruheregion, sagte Nato-Oberbefehlshaber Philip Breedlove in Sofia. Moskau schüre den Konflikt weiter an.

Russland wies die Vorwürfe scharf zurück. Die Anschuldigungen seien "nichts als heiße Luft", sagte Generalmajor Igor Konaschenkow. "Das alles basiert nicht auf Fakten." Die Separatisten widersprachen ebenfalls Berichten über militärische Unterstützung aus Russland. Bei den Konvois, die unter anderem von OSZE-Beobachtern gesehen wurden, handele es sich um Kolonnen der Aufständischen und nicht um russische Truppen, sagte Separatistenführer Boris Litwinow in Donezk.

Russische Kriegsschiffe vor Australien

Russland hat vor dem am Samstag beginnenden G20-Gipfel in Brisbane vier Kriegsschiffe seiner Pazifikflotte vor die Küste Australiens verlegt. Aufgabe der Marine sei es, Flagge zu zeigen, wie russische Medien berichten. 

Die Royal Australian Navy beobachtet die Lage. Die Kriegsschiffe kreuzen nach Angaben des Verteidigungsministeriums nicht in australischen Hoheitsgewässern. "Die Bewegung dieser Schiffe steht völlig im Einklang mit den Vorschriften der internationalen Gesetze, wonach sich Militärschiffe in internationalen Gewässern frei bewegen können", teilte das Ministerium mit. Es sei nicht das erste Mal, dass Russland bei Gipfeltreffen mit seiner Marine präsent sei.

Australische Zeitungen widmeten den Schiffen ganze Seiten und zeigten Fotos des russischen Präsidenten Wladimir Putin in verschiedenen Uniformen. Kommentatoren werteten die Anwesenheit der Kriegsschiffe als Gruß an den Gastgeber des Gipfels. Der australische Regierungschef Tony Abbott hatte wegen Russlands Politik im Ukraine-Konflikt Putin vom G20-Gipfel ausladen wollen.