Technische Pannen, Verwirrung und Verspätung: Der Wahldienstag in den USA verlief nicht ohne Komplikationen und Unregelmäßigkeiten. Probleme bereitete in manchen Staaten vor allem die Wählerregistrierung, auch wegen höherer Anforderungen durch neue Gesetze. Die Wahlen waren zudem nicht nur mancherorts chaotisch, sondern auch so teuer wie nie.

Im Bundesstaat Connecticut stellte der demokratische Gouverneur Dannel Malloy einen Eilantrag und forderte, die Wahllokale länger geöffnet zu lassen, weil Touchscreen-Monitore versagt hatten und Listen mit den Namen registrierter Wähler erst mit großer Verspätung in den Wahllokalen eingetroffen waren. Viele Wähler seien so von der Wahl abgehalten worden, einige hätten unverrichteter Dinge wieder abziehen müssen, wetterte sein Wahlkampfteam. In Texas, wo in diesem Jahr erstmals verschärfte Regeln für die Wahlregistrierung galten, versagte zum Start am Morgen gleich das komplette System zur Wahlregistrierung – die Wahlhelfer vor Ort konnten den Status von Wählern über Stunden nicht prüfen.

Kein guter Start für die neuen Wahlgesetze, die ohnehin in der Kritik stehen. Nach Meinung von Bürgerrechtlern treffen die strengeren Anforderungen nämlich vor allem Wählergruppen wie Arme und Schwarze, weil diese oft nicht über die nötigen Foto-Dokumente verfügen, um sich zu registrieren. In Boone im Bundesstaat North Carolina zeigten sich einige Wahlhelfer besonders eifrig bei dem Versuch, die Regeln einzuhalten. Wahlbeobachter berichteten von Fällen, in denen Wähler von der Stimmabgabe abgehalten wurden, weil sie den dafür nötigen Ausweis nicht dabei hätten – dabei greift das entsprechende Gesetz dort erst 2016. Ähnliches wurde auch aus Wisconsin berichtet.

Auch in Georgia, wo sich von vornherein ein knapper Wahlverlauf abzeichnete, kamen Tausende Wähler gar nicht erst dazu, ihre Stimme abzugeben. Die Website, auf der Wähler ihre Wahlregistrierung bestätigen und ihr Wahllokal suchen konnten, war über Stunden nicht zu erreichen. Die Gruppe Election Protection, die die Wahl vor Ort beobachtete, meldete schon vor Mittag knapp 800 Anrufe von frustrierten Wählern. Bürgerrechtler in mehreren Kommunen des Bundesstaates hatten zuvor Alarm geschlagen, weil Zehntausende von Registrierungen nicht verarbeitet worden waren – ohne die vorherige Registrierung kann am Wahltag keine Stimme abgegeben werden.

Betroffen waren von den Problemen nach Angaben der Gruppe vor allem junge Afroamerikaner, die sich mithilfe von schwarzen Bürgerrechtsorganisationen wie der National Association for the Advancement of Colored People oder dem New Georgia Project hatten registrieren wollen. Die Organisationen reichten am Dienstag Klage ein – doch ein Richter aus Fulton County entschied, die örtlichen Behörden hätten sich nichts zu Schulden kommen lassen. Letztlich konnte sich die Demokratin Michelle Nunn in Georgia nicht gegen ihren republikanischen Gegenspieler David Perdue durchsetzen.

Was das alles kostet

Die Midterms 2014 waren nach bisherigem Stand die bislang teuersten in der Geschichte des Landes. Mehr als vier Milliarden Dollar flossen laut dem Center for Responsive Politics in die Kampagnen von Demokraten und Republikanern – 2010 waren es 3,6 Milliarden Dollar. Parteien und Kandidaten allein pumpten rund 2,7 Milliarden Dollar in den Wahlkampf, Lobbygruppen, politische Organisationen und andere Geldgeber legten noch einmal rund 900 Millionen drauf. Zum Vergleich: Selbst bei den Präsidentschaftswahlen 2012 investierten die sogenannten Outside Groups mit 1,2 Milliarden Dollar nur knapp mehr als bei den heutigen Kongresswahlen. Mit 1,92 Milliarden Dollar konnten die Republikaner den Spendenmarathon knapp für sich entscheiden. Den Demokraten standen insgesamt rund 1,76 Milliarden Dollar für den Wahlkampf zur Verfügung – trotz hochkarätiger Spendenpartys in den Villen von Prominenten wie Gwyneth Paltrow. 

Wie viel Geld die einzelnen Kampagnen im Land erhalten haben, lässt sich dabei nur schwer nachvollziehen. Denn in vielen Fällen fließen die Spenden durch Gruppen, die ihre Ausgaben nicht öffentlich machen müssen. Nur eines steht fest: Laut den offiziellen Angaben der Federal Election Commission hat kein Bundesstaat mehr Spenden von Lobbygruppen, politischen Organisationen und anderen Geldgebern erhalten als North Carolina. Insgesamt flossen offiziell mehr als 55 Millionen Dollar in den dortigen Wahlkampf. 2008 konnte Obama den Staat mit seinen knapp zehn Millionen Einwohnern noch klar auf seine Seite ziehen. Doch seitdem wanderten viele Wähler ab und gaben ihre Stimme den konservativen Kandidaten.